Start NEWS PANORAMA One Way Ticket: Alarmierende Zahlen aus Bosnien-Herzegowina – Abwanderung steigt rasant
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One Way Ticket: Alarmierende Zahlen aus Bosnien-Herzegowina – Abwanderung steigt rasant

In den letzten Jahren haben 150.000 junge Menschen Bosnien-Herzegowina verlassen. (Foto: zVg.)

Aus Bosnien-Herzegowina wandern immer mehr Menschen aus. Jährlich zieht es bis zu zehntausend junge Menschen ins Ausland. Aufgrund der schlechten Bedingungen in der Heimat, hoffen viele auf besser bezahlte Jobs in Deutschland.

In Bosnien-Herzegowina ist insbesondere der nördliche Teil des Landes von Migration betroffen. Aus dieser Region seien die Menschen auch vor dem Krieg, auf der Suche nach besseren Lebensumständen, ins Ausland ausgewandert. In den Letzten zehn Jahren habe die Migration jedoch im gesamten Land zugenommen.

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In Bosnien-Herzegowina ist der Krieg über 20 Jahre vorbei. Im Land herrscht weitgehend Ruhe, auch wenn die Aufarbeitung der Kriegsgräuel nicht abgeschlossen ist.

 

Seitdem 2010 die EU die Einreise für bosnische Staatsbürger erleichtert hat, sei die Situation außer Kontrolle geraten. Als Deutschland die Bedingungen für bosnische Arbeiter verbesserte, eskalierte die Lage im Land erneut. Die Abwanderung der Bevölkerung steht seither an der Tagesordnung.

Die genauen Zahlen lassen sich nicht genau ermitteln, da sich die Menschen bei den entsprechenden Ämtern nicht abmelden, teilt das bosnische Statistikamt mit. 2017 sind Schätzungen nach rund 40.000 Menschen aus Bosnien-Herzegowina ausgewandert. In den letzten vier Jahren sollen insgesamt 150.000 bosnische Staatsbürger ihr Glück im Ausland gesucht haben. Das Statistikamt geht jedoch von noch höheren Zahlen aus.

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Ursachen für die massenhafte Abwanderung gibt es viele. Es fehlt an Arbeitsplätzen. Der Großteil der Industrie-Betriebe wurde durch den Krieg zerstört, der Rest durch korrupte Machenschaften bei der Privatisierung.

Gute bezahlte Jobs sind zur Seltenheit im Land geworden. Lediglich beim Staat und in Unternehmen, die von der Politik abhängen, sind derzeit Anstellungen möglich. Doch diese Stellen werden zumeist von Politikern, an Menschen vergeben, die ihrer Partei von Vorteil sein könnten.

Vetternwirtschaft, Korruption und die hohe Arbeitslosigkeit sind ausschlaggebend für die massenhafte Abwanderung von überwiegend jungen Menschen. Zwar ist die Problematik medial stark präsent, konkrete Pläne der Politik, um qualifizierte Arbeitskräfte im Land zu behalten, fehlen. Bosnien-Herzegowina zählt zu den Ländern, mit dem größten Brain-Drain weltweit.