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Sicherheitsoffensive

Österreichs Polizei setzt nun auf 30 menschliche „Gesichtsscanner“

Österreichs Polizei setzt nun auf 30 menschliche „Gesichtsscanner“
Symbolbild FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Mit einem besonderen Talent gegen Verbrecher: Die Polizei setzt auf Menschen mit außergewöhnlicher Gesichtserkennungsfähigkeit. Das Pilotprojekt zeigt bereits vielversprechende Ergebnisse.

Die Exekutive setzt künftig auf die besonderen Fähigkeiten sogenannter Super Recognizer (Personen mit außergewöhnlicher Gesichtserkennungsfähigkeit) im Kampf gegen Kriminalität. Diese Personen verfügen über eine außergewöhnliche natürliche Begabung zur Gesichtserkennung, die nicht durch Training erworben werden kann. Bei einem Hintergrundgespräch im Innenministerium erläuterte Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, die bemerkenswerten Fähigkeiten dieser Spezialisten: „Sie erzielen selbst unter schwierigen Bedingungen Treffer – etwa in Menschenmengen, bei kurzer Betrachtungszeit oder wenn sich Gesichter durch Alterungsprozesse verändert haben.“ Bundeskriminalamtschef Andreas Holzer ergänzte, dass Super Recognizer Gesichter auch dann identifizieren können, wenn diese in ungewöhnlichen Winkeln zu sehen sind oder durch Bärte verändert wurden.

Seit Oktober läuft in Niederösterreich und Vorarlberg ein Pilotprojekt mit 30 speziell ausgewählten Beamtinnen und Beamten. Das Innenministerium orientiert sich dabei an erfolgreichen Modellen aus Berlin, München und St. Gallen. Besonders das Schweizer Beispiel lieferte überzeugende Ergebnisse: Während eines einjährigen Testbetriebs wurden rund 300 Ermittlungsansätze bei einer minimalen Fehlerquote von nur drei Prozent generiert. Ruf verwies darauf, dass bei lediglich zwei Großveranstaltungen in St. Gallen 20 gesuchte Personen identifiziert werden konnten. Bemerkenswert sei zudem, dass in 60 Prozent der Fälle die Identifizierten schließlich gestanden hätten.

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Diese positiven Erfahrungswerte waren ausschlaggebend für die Implementierung des Systems in Österreich. Wie die beiden leitenden Beamten mitteilten, soll das Projekt künftig landesweit ausgerollt werden. Für die wissenschaftliche Fundierung sorgt eine Kooperation mit der Neurowissenschaftlerin Meike Ramon von der Berner Fachhochschule. Sie entwickelte das bislang einzige Diagnoseverfahren zur Erkennung von Super Recognizern im deutschsprachigen Raum und stellte es dem österreichischen Innenministerium kostenlos zur Verfügung. Im November 2024 wurden daraufhin 903 Exekutivbedienstete getestet.

Ausgewählte Spezialisten

Von den getesteten Beamten zeigten schließlich 30 Personen – elf in Vorarlberg und 19 in Niederösterreich – die gesuchte außergewöhnliche Begabung. Ihr Einsatzgebiet wird vorwiegend im kriminalpolizeilichen Bereich liegen, insbesondere bei der Bild- und Zielfahndung, bei Observationen sowie bei Großveranstaltungen. Bundeskriminalamtschef Holzer erklärte, dass parallel dazu Synergien mit dem bestehenden Gesichtserkennungssystem des Bundeskriminalamts geprüft würden: „Bei einem Treffer in der digitalen Gesichtsfelderkennung erfolgt eine zusätzliche Überprüfung durch die Kolleginnen und Kollegen – ein Match zwischen digitaler und analoger Ermittlung.“

Die Koordination des Projekts liegt bei den Landeskriminalämtern der beiden Pilotregionen. Die Super Recognizer erhalten regelmäßig Fahndungsfotos, die sie sich einprägen und dann im Dienst anwenden. „Selbständig ist auch ein Einsatz bei Schwerpunktaktionen denkbar“, erläuterte Generaldirektor Ruf. Angesichts des Spardrucks im öffentlichen Dienst hoben sowohl Holzer als auch Ruf die geringen Kosten des Projekts hervor: „Wir nutzen das bestehende Potenzial in unserer Organisation.“ Zudem sei das Vorhaben datenschutzrechtlich unbedenklich, da keine technischen Systeme zum Einsatz kämen.

Bundesweite Ausrollung

Der Probebetrieb wird bis Ende Februar 2026 fortgeführt und anschließend evaluiert. Die beiden leitenden Beamten machten deutlich, dass eine österreichweite Ausrollung das erklärte Ziel sei. Holzer zeigte sich diesbezüglich „optimistisch“, während Ruf ergänzte, es spreche „aus jetziger Sicht vieles dafür“. Der Generaldirektor betonte abschließend den Sicherheitsaspekt: Eine frühzeitigere Erkennung von Gefährderinnen und Gefährdern bedeute letztlich „mehr Schutz für die Bevölkerung“.

Der Generaldirektor betonte abschließend den Sicherheitsaspekt: Eine frühzeitigere Erkennung von Gefährderinnen und Gefährdern bedeute letztlich „mehr Schutz für die Bevölkerung“.

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KO KOSMO-Redaktion
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