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PETITION

Pädagogen fordern Abschaffung von Deutschklassen

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Symbolbild (FOTO: iStock)

Bildungsexperten und Pädagogen aus ganz Österreich üben scharfe Kritik am derzeitigen Modell der so genannten „Deutschförderklassen“. Jetzt richten sie sich mit einem Petitionsbrief an Bildungsminister Faßman.

Für gemeinsames Lernen und Schulautonomie statt systematischer Ausgrenzung von Kindern – dafür treten zahlreiche Pädagogen und Bildungsexperten ein.Sie betrachten das Konzept als „gescheitert“ und fordern dessen Abschaffung. Auch die damit verbundenen MIKA-D-Tests – ein viel kritisiertes Testverfahren, das vorgeblich die Deutschkompetenz von Kindern und Jugendlichen messen soll – sind „nicht länger tragbar“, so der Initiator der Petition.

Mit einer Petition, die sich besonders an Lehrpersonen richtet, wollen die Pädagogen nun stärker auf dieses Problem aufmerksam machen und die Vernetzung von Lehrkräften unterstützen. Initiator der Petition ist der Logopäde und „Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache“-Lehrer Ali Dönmez, der „nicht mehr zuschauen kann, wie Kinder systematisch ausgegrenzt werden“.

Dönmez stellte fest, dass sich viele Lehrpersonen aus Angst vor beruflichen Konsequenzen nicht trauen, Kritik an den Missständen zu üben. Dem soll mit dieser Petition an Bildungsminister Faßmann entgegengewirkt werden, die von Pädagogen auch anonym unterzeichnet werden kann. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wird sind die Informationen zur Petition mehrsprachig, etwa auch auf B/K/S.

„Wir möchten Lehrpersonen, Eltern, Erziehenden und so auch den betroffenen Kindern die Möglichkeit geben, ihre Stimmen zu erheben und zu zeigen, dass sie mit den Deutschförderklassen nicht einverstanden sind“


Kritik: „Deutschklassen haben weitreichende negative Folgen für Kinder und den gesamten Schulbetrieb“
Durch die so genannten Deutschförderklassen würden Schüler wichtige Lebens- und Lernzeit verlieren, so der Initiator: Erst wenn Kinder das Testverfahren zu ihren Deutschkenntnissen bestehen oder zwei Jahre im außerordentlichen Status verbracht haben, kommen sie in die 1. Klasse Volksschule. Ein dann sieben oder acht Jahre altes Kind muss also mit sechsjährigen Kindern in die Klasse gehen. Außerdem würden die Kinder durch separate „Deutschklassen“ ausgegrenzt und stigmatisiert.

„Der Begriff ,Deutschförderklassen‘ grenzt an Verhöhnung, denn Kinder lernen Sprache am besten von anderen Kindern. In einer Deutschklasse ist das einzige Sprachvorbild die Lehrperson“

Als „extrem negativ“ beurteilt Dönmez auch das Testverfahren selbst: „Es entspricht nicht internationalen Qualitätsstandards und ist bereits vor dem ersten Schultag ein enormer Stressfaktor für Kinder, Eltern, Lehrpersonen und sogar Kindergartenpädagogen.“

Weiters sei das Testverfahren für Lehrpersonen mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden. Relevante statistische Auswertungen (z. B. über die Zusammensetzung der „Deutschklassen“) sind hingegen nicht öffentlich zugänglich, kritisieren Experten.

Kindgerechte und nachhaltige Deutschförderung gefordert
Statt Kinder in Deutschklassen „abzuschieben“ fordert Dönmez kindgerechte und nachhaltige Lösungen: „Schulen brauchen Konzepte, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren, auf die jahrelange Erfahrung der Lehrkräfte zurückgreifen und wissenschaftliche Expertise berücksichtigen.“ Deshalb fordert seine Petition, dass Kinder gemeinsam lernen, mehr Autonomie für Schulen, kleinere Schülergruppen und mehr Lehrpersonen, um individuelles Lernen wirklich gewährleisten zu können. Außerdem muss mehrsprachige Sprachförderung ein Schwerpunkt in der Lehreraus- und Fortbildung werden.

Quellen und Links: