Während junge Österreicher wieder leichter Jobs finden, trifft es die Generation 50+ hart. Besonders Frauen spüren den Druck durch steigende Arbeitslosigkeit und höheres Pensionsalter.
Die Arbeitslosenzahlen am Beispiel Vorarlberg zeigen einen besorgniserregenden Aufwärtstrend. Mit 11.822 arbeitslos gemeldeten Personen verzeichnet das westlichste Bundesland einen Anstieg von 3,9 Prozent im Jahresvergleich. Besonders alarmierend entwickelt sich die Situation bei Frauen über 50 Jahre, wo die Arbeitslosigkeit um 12,5 Prozent zunahm. Aktuell sind 30 Prozent aller Arbeitssuchenden in Vorarlberg mindestens 50 Jahre alt – darunter 1915 Männer und 1672 Frauen. Die Altersgruppe zwischen 25 und 50 Jahren macht mit 57 Prozent den größten Anteil der Arbeitslosen aus.
Für Menschen, die mit 60 Jahren ihre Anstellung verlieren, gestaltet sich die Arbeitssuche besonders schwierig, erklärt AMS-Chef Bernhard Bereuter. Als Reaktion darauf hat das Arbeitsmarktservice ein spezielles Programm zur Beschäftigungsförderung älterer Menschen ins Leben gerufen. Auch Manuela Auer, SPÖ-Landtagsabgeordnete und ÖGB-Landesgeschäftsführerin in Vorarlberg, hat das Thema im Landtag zur Sprache gebracht.
Sie hebt die besondere Betroffenheit von Frauen hervor: „Es liegt auch daran, dass das Pensionsalter schrittweise angehoben wurde. Da muss man schauen, dass Frauen wie Männer nicht von der Arbeitslosigkeit in Pension gehen. Wir wissen, dass tausende Firmen in Österreich keinen einzigen Mitarbeiter, keine einzige Mitarbeiterin über 60 beschäftigen.“
Positive Jugendentwicklung
Bei den jüngeren Arbeitssuchenden zeichnet sich hingegen eine positive Entwicklung ab. Von den insgesamt 11.822 Arbeitslosen sind 1.465 Personen unter 25 Jahre alt. In dieser Altersgruppe sinken die Zahlen mittlerweile, wie das AMS Anfang des Monats mitteilte. „Seit Juli 2025 ist die Zahl der Vorgemerkten in dieser Altersgruppe im Vergleich zum Vorjahr rückläufig“, heißt es in der Aussendung.
AMS-Chef Bereuter betont: „Bei Jugendlichen mit maximal einem Pflichtschulabschluss setzen wir alles daran, dass sie eine Ausbildung abschließen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Besetzung offener Fachkräftestellen.“ Fast die Hälfte aller registrierten Arbeitslosen verfügt derzeit maximal über einen Pflichtschulabschluss.
Branchenspezifische Trends
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit trifft Frauen stärker als Männer, obwohl in absoluten Zahlen nach wie vor mehr Männer auf Jobsuche sind. Branchenspezifisch verzeichnet das AMS steigende Arbeitslosenzahlen vor allem in Büro-, Fremdenverkehrs-, Reinigungs- und Handelsberufen. Im Baugewerbe sowie in Metall- und Elektroberufen ist dagegen ein Rückgang zu beobachten.
Bemerkenswert ist, dass 18 Prozent der registrierten Arbeitslosen bereits eine Einstellungszusage haben. Bernhard Bereuter prognostiziert für die zweite Jahreshälfte 2025 eine Trendwende mit steigender Personalnachfrage und sinkender Arbeitslosigkeit.
Die österreichweite Entwicklung zeigt ein ähnliches Bild. Ende November waren landesweit 399.199 Menschen arbeitslos gemeldet oder befanden sich in Schulungsmaßnahmen – ein Plus von vier Prozent bzw. 15.236 Personen gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich der negative Trend fort: Seit April 2023 steigen die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich, mittlerweile zum 32. Mal in Folge.
Die nationale Arbeitslosenquote kletterte im November um 0,3 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Vorarlberg steht mit einer Quote von 6,5 Prozent vergleichsweise besser da als der österreichische Durchschnitt.