Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Technologiesprung

Polizei scannt Fingerabdrücke jetzt mit dem Handy!

Polizei scannt Fingerabdrücke jetzt mit dem Handy!
(istockphoto: Polizei)
3 Min. Lesezeit |

Österreichs Polizei setzt auf eine Technologie, die weltweit einzigartig ist – und den Alltag im Außendienst grundlegend verändert.

Rund 600 Diensthandys österreichischer Polizistinnen und Polizisten sind derzeit mit einer Software ausgestattet, die gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelt wurde und weltweit einzigartig ist. Sie ermöglicht die Identitätsfeststellung direkt über die Kamera des Mobiltelefons – eine Fahrt zur nächsten Dienststelle ist damit nicht mehr erforderlich.

Bislang mussten Beamtinnen und Beamte Personen, die sie auf der Straße anhielten, für die Abnahme von Fingerabdrücken in die Inspektion mitnehmen. Damit soll künftig Schluss sein: Der Fingerabdruckscan wird direkt vor Ort über das jeweilige Diensthandy möglich sein. Die Entwicklung begann im Jahr 2019 und befindet sich nun österreichweit im Probebetrieb.

Karners Präsentation

Die neue Lösung soll den Einsatzkräften im Außendienst die Arbeit spürbar erleichtern und ihre verfügbaren Kapazitäten steigern. „Es ist nicht mehr notwendig, mit Verdächtigen zu einer Dienststelle zu fahren“, umriss Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Montag bei der Präsentation der neuen Technologie den Vorteil für die Polizei. Den praktischen Nutzen habe bereits ein fremdenpolizeilicher Schwerpunkteinsatz am vergangenen Freitag in Wien unter Beweis gestellt, bei dem zwei Personen mit illegalem Aufenthaltsstatus sowie ein mutmaßlicher Suchtgiftdealer aufgegriffen worden seien.

Karner hob hervor, dass sämtliche Polizistinnen und Polizisten in Österreich über eigene Diensthandys verfügen. Sowohl die Sensorentechnologie als auch die zugehörige IT-Infrastruktur wurden auf das US-amerikanische Gerät abgestimmt, das bei der Exekutive im Einsatz ist. Die vergleichsweise lange Entwicklungszeit erklärt sich laut Helmut Leopold, dem Leiter des Center for Digital Safety and Security am AIT, nicht allein durch die technische Komplexität der Sensorik und Software.

Gleichzeitig habe man sicherstellen müssen, dass die Anwendung den gesetzlichen Anforderungen entspricht und den Schutz der Privatsphäre gewährleistet. Die rechtliche Grundlage dafür liefert das Sicherheitspolizeigesetz, wie der Direktor des Bundeskriminalamts, Andreas Holzer, erläuterte.

„Die neue Technologie bringt mehr Sicherheit“, betonte Karner. Es handle sich um eine weltweit „einmalige Innovation“, Österreich habe „unseres Wissens nach die bisher einzige Polizeibehörde weltweit“, die die neue BioCapture-Technologie anwende. Das Tool stoße in zahlreichen Ländern auf großes Interesse. Die Entwicklung sei im Übrigen im Rahmen des Kiras-Sicherheitsforschungsprogramms und mit EU-Unterstützung erfolgt, die Kosten damit sehr günstig gewesen. Zahlen wollten die Verantwortlichen aber nicht nennen.

Scan ohne Kontakt

Für den Scan ist kein direkter Kontakt zwischen dem Gerät und den Fingern der betroffenen Person notwendig. Die zu kontrollierende Person hält lediglich ihre Hand mit den Innenflächen von Zeige- bis kleinem Finger unter das Mobiltelefon, während die Beamtin oder der Beamte das Gerät ausrichtet, den Scan durchführt und die Daten nach einer Qualitätsprüfung über eine verschlüsselte Verbindung an die Zentrale übermittelt.

In der Regel liegt das Ergebnis innerhalb von eineinhalb Minuten vor.

Bis Jahresende ist geplant, das System auf alle Beamtinnen und Beamten in ganz Österreich auszuweiten.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen