26 Jahre Annäherung, 21 Jahre Kandidatenstatus – und noch immer kein Ende in Sicht. Wien wird zur Bühne für deutliche Worte.
Nordmazedoniens Premierminister Hristijan Mickoski hat beim offiziellen Besuch bei Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in Wien scharfe Kritik an der anhaltenden Blockade Bulgariens im EU-Beitrittsprozess seines Landes geübt. „Wir sind Opfer von Bullying von einem EU-Mitgliedsstaat“, erklärte Mickoski bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Kanzler. Die Bevölkerung Nordmazedoniens sei angesichts dieser Situation mittlerweile „frustriert“.
Sein Land habe die Annäherung an die EU vor 26 Jahren eingeleitet und sei seit 21 Jahren offizieller Beitrittskandidat – dennoch sei der Prozess aufgrund bilateraler Streitfragen „zu einer unendlichen Geschichte geworden“. Bulgarien fordert von Nordmazedonien Verfassungs- und Bildungsreformen als Bedingung für Fortschritte in den EU-Beitrittsverhandlungen. Ungeachtet dieser Kritik bekräftigte Mickoski, dass die europäische Integration für Nordmazedonien alternativlos sei.
Stockers Bekenntnis
Stocker sprach sich seinerseits dafür aus, Nordmazedonien und die gesamte Westbalkanregion fest in der Europäischen Union zu verankern. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sei eine konsequente EU-Erweiterungspolitik die wirksamste Antwort auf geopolitische Destabilisierung und zugleich der verlässlichste Weg zu Frieden und Wohlstand.
Österreich nimmt in der wirtschaftlichen Beziehung zu Nordmazedonien eine herausragende Stellung ein: Mit einem Investitionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro ist es der größte ausländische Investor des Landes. Mehr als 50 österreichische Unternehmen sind dort vertreten und beschäftigen zusammen über 9.000 Menschen.