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Prüfungsskandal

Prüfungen ungültig – etliche Studenten sollen sich danach das Leben genommen haben

Prüfungen ungültig – etliche Studenten sollen sich danach das Leben genommen haben
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4 Min. Lesezeit |

Zwei Länder, zwei Prüfungsskandale, Millionen Betroffene – und ein System, das seine ehrlichsten Teilnehmer am härtesten trifft.

Zwei der weltgrößten Hochschulsysteme stehen im Zentrum gravierender Prüfungsskandale: In Indien mussten rund zwei Millionen Medizinaspiranten die Aufnahmeprüfung erneut ablegen, nachdem Prüfungsfragen gegen Bezahlung weitergegeben worden sein sollen. In Mexiko versagte ein mit Künstlicher Intelligenz betriebenes Überwachungssystem – die Folge: Zehntausende Bewerber werden ein weiteres Mal geprüft.

Besonders erschütternd sind die menschlichen Folgen in Indien: Mehrere Suizide junger Prüflinge werden von deren Familien unmittelbar mit der Annullierung der Medizin-Aufnahmeprüfung in Verbindung gebracht. Monatelange Vorbereitung, erhebliche finanzielle Aufwendungen und die Hoffnung auf einen der hart umkämpften Studienplätze – mit einem Schlag war all das hinfällig. Sowohl in Indien als auch in Mexiko haben mutmaßlicher Betrug und schwerwiegende Sicherheitslücken dazu geführt, dass Ergebnisse für ungültig erklärt und Aufnahmeverfahren ganz oder teilweise wiederholt werden müssen.

Indiens NEET-Skandal

Betroffen ist die indische Medizin-Aufnahmeprüfung NEET, die am 3. Mai 2026 von mehr als zwei Millionen Kandidaten abgelegt wurde. Als bekannt wurde, dass Prüfungsfragen im Vorfeld gegen hohe Geldsummen verkauft worden sein sollen, stoppte die Regierung die Ergebnisveröffentlichung und ordnete für den 21. Jänner eine Wiederholungsprüfung an.

Die Protestbewegung Cockroach Janta Party gibt an, dass im Zusammenhang mit dem Skandal insgesamt 21 Studenten ihr Leben verloren haben sollen. Diese Gesamtzahl ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Die Nachrichtenagentur Reuters prüfte drei konkrete Todesfälle, bei denen Angehörige erklärten, die Annullierung, der erneute Prüfungsstress und die anhaltende Ungewissheit hätten die jungen Menschen psychisch schwer belastet. Die Polizei bestätigte die Todesfälle, konnte die genauen Beweggründe jedoch nicht abschließend klären.

Zu den Betroffenen gehörte der 22-jährige Pradeep Kumar. Sein Vater hatte nach eigenen Angaben Land verkauft und einen hohen Bankkredit aufgenommen, um die Prüfungsvorbereitung seines Sohnes zu finanzieren. Pradeep hatte sich über Jahre auf den Test vorbereitet und war nach seinem dritten Antreten überzeugt, diesmal einen Studienplatz zu erlangen. Wenige Tage nach der Annullierung nahm er sich das Leben.

„Diejenigen, die Geld haben, kaufen sich die Prüfungsfragen – und diejenigen, die ehrlich lernen, werden am Ende betrogen“, sagte sein Vater. Er macht das Systemversagen für den Tod seines Sohnes verantwortlich. Auch andere Familien berichteten, die Aussicht auf eine vollständige Wiederholung der außerordentlich anspruchsvollen Prüfung sei für ihre Kinder zur unerträglichen Belastung geworden.

Der Skandal löste eine der größten Jugendbewegungen aus, die Indien in den vergangenen Jahren erlebt hat. In Neu-Delhi und zahlreichen weiteren Städten gingen Zehntausende auf die Straße. Bei einer Kundgebung am 20. Juli versuchten Schätzungen zufolge mehr als 50.000 Teilnehmer, zum Parlament zu marschieren – die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein.

Unter dem politischen Druck trat Bildungsminister Dharmendra Pradhan schließlich zurück. Die Regierung kündigte verschärfte Strafen für den Handel mit Prüfungsfragen, eine umfassende Überprüfung des Prüfungswesens sowie Entschädigungen für betroffene Familien an. Ende Juli erhob die Ermittlungsbehörde CBI Anklage gegen 13 Verdächtige, darunter Lehrkräfte, Personen aus dem Prüfungsumfeld und mutmaßliche Mittelsleute.

Mexikos KI-Versagen

Nahezu zeitgleich geriet auch die Nationale Autonome Universität von Mexiko-Stadt, kurz UNAM, in einen massiven Prüfungsskandal. Die renommierte Institution führte ihre Aufnahmeprüfung 2026 erstmals vollständig in digitaler Form durch. Kameras, Mikrofone, Gesichtserkennung, ein gesperrter Browser sowie ein KI-gestütztes Kontrollsystem sollten Betrugsversuche unterbinden.

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse fielen jedoch statistisch auffällige Abweichungen auf: Hatten in den Vorjahren durchschnittlich rund 3,5 Prozent der Bewerber mindestens 100 von 120 Punkten erreicht, waren es 2026 plötzlich 16,3 Prozent. Auch die Zahl nahezu fehlerfreier Ergebnisse hatte sich vervielfacht.

Einzelne Kandidaten sollen während der Prüfung Smartphones, zweite Computer, externe Hilfspersonen oder KI-Programme eingesetzt haben. In sozialen Netzwerken kursierten Berichte über Software, die Prüfungsfragen automatisch lösen konnte. Das Überwachungssystem hatte zunächst rund 3.000 Regelverstöße registriert – angesichts der statistischen Auffälligkeiten entstand jedoch der begründete Verdacht, dass das tatsächliche Ausmaß des Betrugs erheblich größer gewesen sein könnte.

Eine von der Universität eingesetzte Kommission entschied daraufhin, rund 58.000 Bewerber zu einer zusätzlichen Kontrollprüfung einzuladen. Betroffen sind sowohl bereits zugelassene Kandidaten als auch Personen, die eine Punktzahl erzielt hatten, die in den vergangenen fünf Jahren für einen Studienplatz ausgereicht hätte. Die Nachprüfung findet diesmal unter persönlicher Aufsicht und in Präsenz statt.

Ihr Ergebnis ist für die Vergabe der Studienplätze ausschlaggebend. Ein konkreter Termin wurde bislang nicht festgelegt; der ursprünglich für den 10. August vorgesehene Studienbeginn könnte sich dadurch verschieben.

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KO KOSMO-Redaktion
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