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Steuerbetrug

Razzia in sieben Ländern: Steuerfahnder sprengen Luxusauto-Mafia

Razzia in sieben Ländern: Steuerfahnder sprengen Luxusauto-Mafia
FOTO: iStock/Chalabala
3 Min. Lesezeit |

Luxusautos, Scheinfirmen und ein ausgeklügeltes Betrugssystem: Europäische Fahnder haben ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, das den Fiskus um 100 Millionen Euro prellte.

In einer großen internationalen Aktion namens „Vortex“ haben die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) aus Frankfurt und Mailand einen schweren Schlag gegen Betrügernetzwerke geführt. Die Fahnder zerschlugen ein ausgeklügeltes System, das durch Mehrwertsteuerbetrug beim Handel mit Luxusgebrauchtwagen europaweit operierte. Der entstandene Schaden für die öffentlichen Kassen wird auf mindestens 100 Millionen Euro beziffert.

Die Ermittlungen deckten ein klassisches Mehrwertsteuer-Karussell auf, bei dem die Täter gezielt EU-Regelungen zur Steuerbefreiung im grenzüberschreitenden Handel ausnutzten. Mit einem Netz aus Hunderten Scheinfirmen, manipulierten Dokumenten und fiktiven Rechnungen wurden Fahrzeuge zwischen EU-Ländern hin- und hergeschoben, um die Mehrwertsteuer zu umgehen. In einigen Fällen wurden die Luxusautos auf dem Papier an Unternehmen in Liechtenstein und San Marino verkauft – ohne dort je registriert zu werden – während sie tatsächlich an Händler und Käufer in Italien und anderen EU-Staaten gingen.

Betrugsmethoden

Die kriminellen Netzwerke begnügten sich jedoch nicht mit der bloßen Steuervermeidung. Sie beantragten zusätzlich unrechtmäßig Mehrwertsteuerrückerstattungen bei nationalen Finanzbehörden, was ihre illegalen Gewinne erheblich steigerte. Zudem missbrauchten die Gruppen systematisch das Differenzbesteuerungssystem – eine Regelung, die Händlern eigentlich nur erlaubt, beim Verkauf von gebrauchten Waren, die von Privatpersonen erworben wurden, die Mehrwertsteuer ausschließlich auf die Gewinnspanne zu entrichten.

Im Zuge der Ermittlungen rückten mehr als 500 Steuer- und Polizeibeamte zu rund 80 Durchsuchungen in sieben Ländern aus – darunter Bulgarien, Kroatien, Deutschland, Italien, Lettland, Luxemburg und Polen. Sechs Personen wurden in Deutschland und Italien festgenommen. Die Behörden beschlagnahmten Vermögenswerte im Wert von über 20 Millionen Euro. Allein in Italien wurden 50 Bankkonten eingefroren sowie 14 Immobilien, zwei Grundstücke und 25 Fahrzeuge – darunter 19 Luxusautos – sichergestellt. Auch in Deutschland wurden neben Bargeld und Luxusartikeln mehrere hochwertige Fahrzeuge beschlagnahmt und Konten gesperrt.

📍 Ort des Geschehens

Internationale Zusammenarbeit

Die komplexen Ermittlungen wurden vom deutschen Finanzamt Stuttgart II – Steuerfahndungsstelle, der italienischen Finanzpolizei aus Varese und der Zoll- und Monopolagentur aus Bozen unterstützt. Eine zentrale Koordinierungsrolle übernahm Europol mit analytischer Unterstützung und speziellen Ermittlungstools. In allen beteiligten Ländern arbeiteten nationale Polizei- und Steuerbehörden eng zusammen.

In Kroatien beteiligten sich unter anderem die Polizeidirektion des Innenministeriums, die Kriminalpolizeidirektion, das Nationale Polizeibüro zur Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität, die Polizeidirektion Istrien sowie der Unabhängige Sektor für Finanzermittlungen der Steuerverwaltung.