Start BLOG Russwurm zu Zadić: „Man hört ihren Akzent. Den haben sie eben“ (VIDEO)
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Russwurm zu Zadić: „Man hört ihren Akzent. Den haben sie eben“ (VIDEO)

(FOTO: Screenshot/ORFTVthek)

Kürzlich war Justizministerin Alma Zadić in der ORF Show „Vera“ zu Gast, wo sie die bekannte ORF-Moderatorin Vera Russwurm sehr direkt und für viele unpassend auf Zadićs Akzent angesprochen hat.

Im rund 20-minutigen Interview gab die Justizministerin einen bisher seltenen Einblick in ihr Privatleben. Nachdem ihr Vater während des Bosnienkrieges die Familie verließ, um in Österreich Arbeit zu finden, zog Zadić zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach.

Im Alter von zehn Jahren wurde Zadić ohne vorhergehende Deutschkenntnisse in die dritte Volksschulklasse eingestuft. Immer wieder wurde sie aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert. Sei es vonseiten einer Lehrerin, da sie die mathematischen Textaufgaben nicht verstand, oder aber von einem Schaffner, der ihr auf die Frage nach dem Weg mit „Tschuschen haben hier nix verloren!“ antwortete.

Frage der Herkunft ein „Zurückwerfen“
Bevor Zadić nach New York ging, um an der Columbia University zu studieren, empfand sie die Frage nach der Herkunft oftmals als Reduktion und „Zurückwerfen“ in ihrer Integration in die österreichische Gesellschaft.

Hierbei klingelte es auch bei der ORF-Moderatorin, die meinte, dass sie erst jetzt verstand, dass das „Woher kommst du eigentlich?“ vom Gegenüber nicht immer als Interesse gewertet wird. Eigentlich würde man sich wohl etwas mehr Sensibilität von einer Moderatorin im Öffentlich-rechtlichen erwarten. Dennoch muss man Russwurm hier zugestehen, dass Zadićs Aussage einen positiven Denkanstoß für sie dargestellt hat.

Allerdings ist das Thema per se nicht neu und wie man sieht, ist die Frage „Woher bist du?“ keine banale Sache, sondern viel vielschichtiger als sie auf den ersten Blick erscheint. Heute empfindet die Justizministerin diese Frage nicht mehr als abwertend, da sie gelernt habe, dass man sich nicht für eine Seite entscheiden müsse.

Ihrer Meinung nach könne man sowohl Österreicherin als auch Bosnierin sein. Diese Aussage bejahte und bekräftigte Russwurm, um nur wenige Minuten später selber ungeschickt in ein Fettnäpfchen zu treten.

Akzent auf Deutsch pointiert
Die ORF-Moderatorin fragte Zadić, ob sie nach ihrer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin mit „Demütigungen“, wie Russwurm die diskriminierenden Vorfälle mehrfach im Gespräch nennt, zu kämpfen hatte. Die Frage wäre an sich ja vollends nachvollziehbar und angebracht, wäre da nicht eine Beifügung gewesen: „Man hört ihren Akzent. Den Akzent haben sie eben“, kommentierte Russwurm.

Wieso dieser Seitenhieb? Weshalb also das (unbewusste) Bedürfnis, den Gesprächspartner im Öffentlich-rechtlichen auf seine Herkunft zu reduzieren bzw. den Akzent hervorzuheben. Im Fall der Justizministerin musst man einfach betonten, dass sie wohl eine der größten Erfolgsgeschichten für eine gelungene Integration der BKS-Community bzw. aller Migranten in Österreich darstellt.

„Mia san mia“-Einstellung?
Ein auf diese Art und Weise vollzogenes Pointieren der Herkunft eines Mitbürgers ist immer mehr als unangebracht – in der Öffentlichkeit umso mehr. Diese Dichotomie „Wir und die Anderen“ ist so oder so stark in der österreichischen Gesellschaft verankert.

Und angesichts der Tatsache, dass es sich bei Alma Zadić um ein aktuelles Regierungsmitglied handelt, gewinnt Russwurms Aussage noch mehr an Gewicht. Immerhin sagt sie einer Ministerin direkt ins Gesicht, dass sie nicht so klingt „wie eine von uns Österreichern“.

Bedeutet das, dass sie trotz ihres Postens innerhalb der österreichischen Bundesregierung nicht dazu gehört? Ich hoffe, dass es wirklich nur ein Fauxpas war, denn solch eine absichtliche Denunzierung im ORF-Programm wäre fatal. Immerhin ist der ORF laut Bundesverfassungsgesetz der Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Kernauftrages verpflichtet. Dazu zählen unter anderem die Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Berücksichtigung der Meinungsvielfalt, die Ausgewogenheit der Programme sowie die Unabhängigkeit der Personen und Organe.

Das Video findet ihr auf der zweiten Seite!