Start NEWS PANORAMA Schule fordert Emela auf, sich zu entscheiden: “Bist du Serbin oder Bosnierin?”
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Schule fordert Emela auf, sich zu entscheiden: “Bist du Serbin oder Bosnierin?”

(FOTO: zVg.)

Ihr ganzes Leben lang wird von Emela Halilović, Tochter einer Serbin und eines Bosniaken, verlangt, sich zu entscheiden, zu welcher Entität in Bosnien sie denn nun gehört.

Emela Halilović (15) lebt in Tuzla, einem Ort, von dem sie sagt, dass er eine Stadt der Liebe ist, in der dich niemand fragt, wer oder was du bist, sondern wo sich jeder wohlfühlt, unabhängig von Nationalität und ethnischer Zugehörigkeit. Wenn man jedoch darauf besteht, das sie sich deklariert, würde Emela antworten, dass ihre Mutter Serbin und ihr Vater Bosniake ist und sie sich als Angehörige beider Gruppen sieht.

“Das erste Mal war es in der Grundschule Thema, damals sprach meine Mutter für mich, und als ich aufs Gymnasium ging und sie mich baten, mich wieder zu entscheiden, wurde mir klar, dass ich kein Kind von einem gewöhnlichen Paar war, sondern aus einer sogenannten “Mischehe” stamme”, erzählt Emela dem Portal ‘Blic’. Sie findet es lächerlich, dass der Begriff Mischehe verwendet wird, nur weil ihr Vater Bahrudin und ihre Mutter Milena heißt.

Jetzt wo sie älter und reifer ist versteht sie, dass “es wichtig ist, welchen der drei Völker man angehört und dass man sich gemäß der Verfassung deklarieren muss, wenn man seine Rechte ausüben will”, teilt Emela ihre traurige Erkenntnis. Sie weigerte sich weiterhin entschieden zu “wählen”. “Ich würde mit einer “Wahl” einen Teil von mir aufgeben müssen”, sagt die Schülerin. Sie verstehe nicht, sagt sie, warum sie in der Schule Bosniake, Serbe oder Kroate genannt werden soll.

“Würde nicht tauschen”
“Ein Kind aus dieser “Mischehe” zu sein, bedeutet für mich Glück und wenn ich wählen könnte, würde ich wieder in eine hineingeboren werden wollen, denn es gibt so viel Diversität in meiner Familie und im engsten Familienkreis. Es gibt viele Vorteile, ich feiere gerne Bajram und katholische und orthodoxe Weihnachten und Ostern und alles”, klärt Emela.

Ihre Eltern würden es verstehen, wenn sie eine “Seite” aussuchen würde, weil es für ihr weiteres Leben einfacher wäre. Aber sie möchte das nicht. „In mir steckt zu viel Liebe für beide Seiten und ich kann mich einfach nicht entscheiden. Ich möchte ein Leben ohne Trennung führen, niemand hat meine Blutkörner gezählt, damit sie mir sagen können, wer ich bin und was ich bin”, schlussfolgert die 15-Jährige.

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