In einem Freibad im Kreis Paderborn (Deutschland) sorgt eine Kinderschutzkampagne für Aufregung. Die Initiative „Sommer – Sonne – Sicherheit“ will mit dem Codewort „Tiki“ und einer Schildkröte als Maskottchen Minderjährige vor sexuellen Übergriffen schützen. Doch ein zentrales Bildmotiv der Aktion steht nun im Kreuzfeuer der Kritik.
Die Kontroverse entzündet sich an einem Plakat, das eine erwachsene weiße Frau zeigt, die einem dunkelhäutigen Jungen mit Beinprothese im Schwimmbecken an das Gesäß fasst. Der Slogan „Stopp! Grabschen verboten!“ ergänzt die Darstellung. In sozialen Medien entbrannte daraufhin eine heftige Debatte, ob diese Darstellung die Realität angemessen widerspiegelt oder bewusst verfälscht.
Die Bebilderung ist genial. Eine übergewichtige weiße Frau fasst einen armen männlichen Flüchtling an. Das kommt täglich millionenfach vor. pic.twitter.com/SlcRT9zBs6
— Mr. Unbequem 𝕏 (@Dr_Unbequem) July 2, 2025
Kritiker bemängeln, dass die Kampagne mit ihrer Bildsprache an den tatsächlichen Verhältnissen vorbeigehe. Nach Polizeiinformationen waren es in den vergangenen Jahren vorwiegend junge Männer mit Migrationshintergrund, die in Schwimmbädern durch sexuelle Belästigungen auffielen – besonders in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München – aber auch Wien. Einige Städte reagierten mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und mehrsprachigen Hinweistafeln.
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Umstrittene Darstellungen
Auch die Kölner Bäderbetriebe starteten 2024 eine ähnliche Initiative gegen sexuelle Belästigung. Die Kampagne „Ich sag’s!“ löste ebenfalls Diskussionen aus und bleibt umstritten.
Manuel Ostermann, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, kritisierte auf der Plattform X (ehemals Twitter) die Kölner Plakataktion. Er beanstandete die Darstellung eines blonden Mannes als Täter und bezeichnete dies als realitätsfern. „Nennen wir das Kind beim Namen – es sind vor allem Männer aus den Asylhauptherkunftsländern“, erklärte Ostermann. Er vermutete, das Motiv sei bewusst so gewählt worden, um Rassismusvorwürfen vorzubeugen, legte für diese Annahme jedoch keine Belege vor.
Ein Bild, das die Ohnmacht oder den Widerwillen der politischen Akteure verdeutlicht.
— Manuel Ostermann (@M_Ostermann) June 29, 2025
Wenn man sich schon um politische Korrektheit bemüht, sollte man ebenfalls darauf hinweisen, dass das Bild des blonden Mannes lediglich aus Furcht vor den empörten Rufen von Links entstanden ist… pic.twitter.com/By3yvvV561
Aktuelle Vorfälle
Ostermanns Kritik dürfte auch durch aktuelle Vorfälle befeuert worden sein. In der hessischen Stadt Gelnhausen sollen am 22. Juni mehrere syrische Männer neun Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren in einem Freibad sexuell belästigt haben.
Die Stadt Büren wurde von WELT um eine Stellungnahme zur umstrittenen Plakatkampagne gebeten.
Eine Antwort steht noch aus.
Präventionskonzept mit breitem Ansatz
Wie aus offiziellen Informationen der Stadt Büren hervorgeht, ist die umstrittene Plakataktion Teil eines umfassenderen Präventionskonzepts, das im Februar 2025 gemeinsam mit lokalen Partnern gestartet wurde. Neben der bildlichen Darstellung verschiedener Grenzverletzungen umfasst das Projekt „Sommer – Sonne – Sicherheit“ auch Schulungen für Bäderpersonal und pädagogische Fachkräfte.
Die Initiative verfolgt einen niederschwelligen Ansatz mit Flyern und künstlerischen Darstellungen, die explizit verschiedene Formen von Grenzverletzungen thematisieren – nicht nur durch eine bestimmte Tätergruppe. Ein zentrales Anliegen ist dabei, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, wie sie ihre Privat- und Intimsphäre schützen können und wo sie im Ernstfall Hilfe bekommen.