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Mordversuch

Sekunden vor dem Stich: Teppich rettet Österreicher das Leben

Sekunden vor dem Stich: Teppich rettet Österreicher das Leben
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein Sturz über einen Teppich trennte in Graz Leben und Tod – was davor geschah, lässt kaum Spielraum für Zufälle.

Ein Teppich könnte einem Grazer das Leben gerettet haben. Laut Anklage verfolgte ihn seine Nachbarin mit einem Küchenmesser durch seine Wohnung und war bereits im Begriff zuzustechen – doch kurz davor verlor die Frau den Halt und stürzte zu Boden. Dem Angriff war ein Nachbarschaftsstreit vorausgegangen.

Infolge einer psychischen Erkrankung war die Frau laut Anklage der irrigen Überzeugung, ihr Nachbar sei wiederholt in die Wohnung eingebrochen, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnte. Darüber hinaus glaubte sie, er habe Gegenstände entwendet und Kameras in der Wohnung installiert.

Messer über dem Kopf

Schließlich griff sie zu einem Küchenmesser und machte sich auf den Weg zur Wohnung des Mannes, wo sie die Glasscheibe der Terrassentür eintrat. „Die Frau begab sich laut Anklage zunächst mit einem Küchenmesser bewaffnet und lautstark schreiend zur Terrassentür des Nachbarn“, wird Gerichtssprecherin Barbara Schwarz in der „Kleinen Zeitung“ zitiert. Als der Nachbar den Vorhang beiseiteschob, stand die Frau bereits vor der zerstörten Tür.

Das Messer hielt sie laut Anklage über ihren Kopf und drohte: „Komm her, ich stech‘ dich ab!“ Nachdem die Frau die Wohnung betreten hatte, flüchtete der Mann laut Tageszeitung in Richtung Schlafzimmer. Seine Nachbarin soll ihm gefolgt sein, dabei Stichbewegungen ausgeführt und weiter gedroht haben: „Ich bring‘ dich um!“

Unmittelbar bevor sie ihn erreichte, ereignete sich der entscheidende Moment. „Als sie die letzten Schritte auf den Mann zukam und im Begriff war, zuzustechen, rutschte sie auf einem Teppich aus und kam zu Sturz“, heißt es in der Anklageschrift. Der Nachbar nutzte die Gelegenheit und lief an der Frau vorbei auf die Terrasse – wo er jedoch ebenfalls zu Fall kam.

Die Frau hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet und soll auf den am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Seine Hilferufe wurden schließlich von der Mutter der Angreiferin gehört, berichtet die „Kleine Zeitung“. Diese eilte herbei und zog ihre Tochter von dem Mann weg.

Der Nachbar, der eine blutende Verletzung an der Hand davongetragen hatte, konnte fliehen und alarmierte die Polizei. Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass die Frau „bewusst töten wollte. Lediglich aufgrund der Umstände, dass sie zu Sturz kam und später ihre Mutter einschritt, blieb es beim Versuch“.

Einweisung beantragt

Ein Sachverständigengutachten kommt zu dem Schluss, dass die Beschuldigte zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. Ohne diese Feststellung wären die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft „den Verbrechen des Mordversuchs und des Hausfriedensbruchs zuzurechnen“. Auch bei ihrer Festnahme soll die Frau Widerstand geleistet und einen Polizisten am Hals gekratzt haben, schreibt die „Kleine Zeitung“.

Die Staatsanwaltschaft beantragt aufgrund der psychischen Erkrankung die Einweisung der Frau in ein forensisch-therapeutisches Zentrum. Wegen ihrer schwerwiegenden und nachhaltigen Störung seien ähnliche Taten mit hoher Wahrscheinlichkeit „bis hin zum Mord“ zu befürchten. Über den Unterbringungsantrag entscheidet im Oktober ein Geschworenengericht am Straflandesgericht Graz.

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KO KOSMO-Redaktion
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