Sie sehen aus wie gewöhnliche Brillen, können aber unbemerkt filmen: In Paris ermittelt die Justiz nach mehreren Beschwerden von Frauen wegen des Einsatzes von Smart Glasses.
In Paris häufen sich Beschwerden über Frauen, die auf der Straße ohne ihre Zustimmung mit Smart Glasses gefilmt und deren Aufnahmen anschließend online veröffentlicht worden sein sollen. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte mehrere Anzeigen wegen Verletzungen der Privatsphäre im Zusammenhang mit der Nutzung solcher Brillen. Welche Hersteller oder Modelle in den konkreten Fällen verwendet wurden, gab die Justiz nicht bekannt. Zu den weltweit führenden Anbietern zählen Meta und EssilorLuxottica mit ihren Ray-Ban-Meta-Brillen.
Zunehmender Trend
Die Staatsanwaltschaft spricht von einem „zunehmenden Trend“ in sozialen Netzwerken, bei dem Frauen auf der Straße ohne ihre Zustimmung mit Smart Glasses gefilmt und die Aufnahmen anschließend online veröffentlicht werden. In den aktuellen Fällen wurden Ermittlungen wegen möglicher Verletzungen der Privatsphäre beziehungsweise der unerlaubten Verbreitung entsprechender Inhalte eingeleitet. Für den von der Staatsanwaltschaft genannten Straftatbestand können bis zu zwei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe drohen. In einzelnen Fällen wird zudem wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe ermittelt.
Internationaler Kontext
Die Debatte beschränkt sich nicht auf Frankreich. In Deutschland hat die Organisation HateAid Strafanzeige gegen Verantwortliche von Meta, Ray-Ban und Oakley sowie mehrere Händler eingereicht. Gleichzeitig fordert sie ein Vertriebsverbot für bestimmte Ray-Ban-Meta-Smart-Glasses und strengere technische Vorgaben, damit Aufnahmen für Außenstehende eindeutig erkennbar sind. Auch in anderen Ländern beschäftigen sich Behörden und Unternehmen zunehmend mit möglichen Einschränkungen für kamerafähige Smart Glasses.