Die Europäische Zentralbank hat einen kreativen Wettstreit für die Gestaltung der nächsten Euro-Banknotengeneration ausgerufen. Teilnehmen können Grafikdesigner mit Wohnsitz in der EU, die ihre Entwürfe zu einem der beiden festgelegten Themen einreichen: europäische Kultur oder Flüsse und Vögel.
Für die Motivreihe „Europäische Kultur“ haben die Währungshüter bereits eine Vorauswahl historischer Persönlichkeiten getroffen. In die engere Auswahl schafften es die Operndiva Maria Callas, der Komponist Ludwig van Beethoven, die Wissenschaftlerin Marie Curie, der Schriftsteller Miguel de Cervantes, das Universalgenie Leonardo da Vinci sowie die Friedensaktivistin Bertha von Suttner.
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Ausgewählte Vogelarten
Bei den Vogelarten, die künftig auf den Geldscheinen zu sehen sein könnten, fiel die Vorauswahl auf den Baumläufer, den Eisvogel, eine Bienenfresserkolonie, den Weißstorch, den bunten Avocet sowie den Austernfischer.
Auswahlverfahren
Die eingereichten Entwürfe werden von einem unabhängigen Expertengremium begutachtet, das bis zu fünf Finalisten für jedes Thema auswählen wird. Auch die Öffentlichkeit erhält die Möglichkeit, zu den Designs der engeren Auswahl Feedback zu geben.
Mit einer endgültigen Entscheidung der EZB ist voraussichtlich bis Ende 2026 zu rechnen.
Die neuen Banknoten sollen dann einige Jahre später in Umlauf kommen.
Wandel der Motivphilosophie
Der aktuelle Designwettbewerb markiert einen deutlichen Paradigmenwechsel gegenüber der ersten Euro-Generation. Die seit 2002 im Umlauf befindlichen Scheine zeigen bewusst keine realen Bauwerke oder Persönlichkeiten, sondern abstrakte architektonische Motive – stilisierte Fenster, Tore und Brücken aus verschiedenen Epochen der europäischen Geschichte.
Der österreichische Designer Robert Kalina gewann damals mit seinem Konzept „Zeitalter und Stile“, das die europäische Architekturgeschichte abstrahierte. Diese Entscheidung für fiktive anstatt realer Bauwerke sollte verhindern, dass einzelne EU-Länder bevorzugt dargestellt werden.
Die abstrakten Motive der ersten Generation stießen auf geteiltes Echo: Sie wurden einerseits als Symbol für europäische Neutralität und Einheit gelobt, andererseits für ihren mangelnden Bezug zur tatsächlichen europäischen Kultur kritisiert. Der nun eingeschlagene Weg mit konkreten Persönlichkeiten und Naturmotiven könnte die Euro-Scheine für viele Europäer greifbarer und identitätsstiftender machen.