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Migrationsdynamik

Sogwirkung von Zuwanderer-Communities durch Forschungen bestätigt

(FOTO: iStock/Felix Geringswald)
(FOTO: iStock/Felix Geringswald)

In einem Projekt haben ForscherInnen des Complexity Science Hub (CSH) Wien Licht in die Dynamiken der Migration in Österreich und den USA gebracht. Die Studie, die ein tiefgehendes Verständnis von Migrationsmustern offenbart, stützt sich auf umfangreiche Datenanalysen. Untersucht wurde, wie die alte Weisheit „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ – in Fachkreisen auch als Homophilie bekannt – die Ansiedlungsmuster von Migranten beeinflusst.

Zu Beginn analysierte das CSH-Team Informationen von rund 1,46 Millionen Menschen, die außerhalb Österreichs geboren wurden und mittlerweile hier ihren Wohnsitz gefunden haben. Die Forschung konzentrierte sich dabei auf die Aufteilung nach Nationalitäten und deren Niederlassung bis hinunter auf die Ebene von Postleitzahlen. Hierdurch konnten Einblicke in die Größe der Migrantengemeinschaften auf Bezirksebene gewonnen werden.

Migration in Zahlen

Bis Dezember 2022 haben die WissenschaftlerInnen die Größe dieser Gemeinschaften in Österreich erfasst und weitere Entwicklungen über einen Zeitraum von 200 Tagen verfolgt. Es zeigte sich, dass signifikante Unterschiede in den bevorzugten Wohnorten bestehen. Zum Beispiel zogen etwa 8-mal mehr Menschen aus Serbien in den 10. Wiener Bezirk als aus Deutschland. Während in den 7. Bezirk etwa 1,4-mal mehr Deutsche als Serben zogen.

Soziale Einflüsse prägen Migrationsmuster

CSH-Forscherin Fariba Karimi hebt hervor, dass Migration vornehmlich durch soziale Einflüsse getrieben wird. „Unsere Analyse zeigt, dass die Vorhersage der Migration bestimmter Nationalitäten erleichtert wird, wenn die existierende Größe der Gemeinschaft in einer Region betrachtet wird“, erklärt Karimi. Die Muster wirken überwiegend vorhersehbar und bleiben über die Zeit stabil. Vorausgesetzt es treten keine unvorhergesehenen Ereignisse wie politische Konflikte auf.

Diaspora-Migrationsmodell

Das Team erprobte auch ein neues Modell, das Diaspora-Migrationsmodell, welches sich von traditionellen Ansätzen der Migrationsforschung unterscheidet. Im Fokus steht hier weniger die Attraktivität dicht besiedelter Orte, sondern die Bedeutung bestehender Gemeinschaften für die Wahl des neuen Wohnorts. Die Studie zeigt, dass Menschen beispielsweise aus Südamerika mit vierfacher Wahrscheinlichkeit nach Miami als nach Houston ziehen. Aufgrund der dort bereits bestehenden südamerikanischen Gemeinschaft.

Herausforderung der Integration

Karimi betont die Verantwortung, die sich aus diesen Erkenntnissen ergibt. Die Notwendigkeit, Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung gleichmäßig zu verteilen und Vielfalt aktiv zu fördern. Es gilt, Begegnungen und Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu ermöglichen und zu erleichtern, um ein harmonisches Zusammenleben in Vielfalt zu unterstützen.