Mit Querdenken und Titelträumen startet Peter Stöger bei Rapid Wien. Der Ex-Austria-Coach setzt auf frische Impulse – und ein Transfer-Beben um Arnautovic.
Peter Stögers Amtsantritt bei Rapid Wien stand zunächst im Schatten der Spekulationen um einen möglichen Transfer von Marko Arnautovic. Im Gespräch mit der APA äußerte sich der neue Cheftrainer zu diesem Thema, seinen sportlichen Ambitionen und dem Umgang mit seiner Vergangenheit beim Stadtrivalen Austria.
„Es zeigt, dass es nicht so verkehrt war, eine Idee zu haben, ob das überhaupt machbar ist, sonst würden sich nicht so viele Menschen ständig damit beschäftigen. Wir schauen über den Tellerrand hinaus und beschäftigen uns mit Dingen, auch wenn sie sich im Nachhinein vielleicht als unrealistisch herauskristallisieren. Es macht nichts, wenn du querdenkst und nicht permanent im eigenen Saft unterwegs bist. Für mich nimmt es schon ein bisschen viel Platz ein, aber es ist irgendwann rausgekommen und hat eine Eigendynamik entwickelt. Klar ist, dass dieses Thema irgendwann einmal in Richtung A oder B abgehandelt sein muss. Es wird mich mit Sicherheit nicht mehr im Trainingslager begleiten.“
Bezüglich des Zeitrahmens für eine Entscheidung in der Arnautovic-Frage vor dem Trainingslagerstart am Samstag im Mühlviertel meinte Stöger: „Davon kann man ausgehen, es wird zumindest eine klare Tendenz geben.“
Seine eigene Rolle in den Verhandlungen beschrieb der Coach zurückhaltend: „Ich selbst hatte mit Marko noch keinen Kontakt. Jetzt ist es ein Thema, das die Finanzen betrifft. In der wirtschaftlichen Thematik bin ich nicht drin, aber es ist klar, dass Marko kein Spieler um ein Euro fünfzig ist.“
Den sportlichen Mehrwert einer möglichen Verpflichtung des Rekordnationalspielers sieht Stöger klar: „Wir würden einen Spieler bekommen, von dem ich glaube, dass er uns 15 bis 20 Tore in der Saison schießen kann, wenn er fit ist. Es ist auf jeden Fall kein Marketinggag. Dahinter steht einzig und allein der Gedanke, dass er für Rapid abliefern könnte.“
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Für den 36-jährigen Arnautovic, der seit seinem Vertragsende bei Inter Mailand ablösefrei auf dem Markt ist, wäre die Rückkehr in die österreichische Bundesliga ein ungewöhnlicher Karriereschritt. Bei Inter erzielte er in der vergangenen Saison sieben Tore in 28 Spielen, doch sein hohes Gehaltsniveau stellt für Rapid eine finanzielle Herausforderung dar. Die Gespräche mit Arnautovics Management laufen intensiv, wobei eine Unterstützung durch Sponsoren als notwendig gilt, um den Transfer zu realisieren.
Sportliche Ambitionen
Zu den Saisonzielen mit oder ohne Arnautovic hält sich der 58-Jährige noch bedeckt: „Für Zielvorgaben ist es jetzt noch zu früh, man muss schauen, was bei anderen Clubs und in erster Linie bei uns selbst noch passiert. Uns begleiten ja auch immer Gerüchte, dass uns der eine oder andere noch verlassen könnte. Klar ist, dass wir in jede Partie gehen werden, um zu gewinnen. Das Ziel wird auf jeden Fall höher sein als Platz fünf.“
Nach den ersten Trainingseinheiten und Testspielen zieht Stöger eine positive Zwischenbilanz: „Alle haben super mitgezogen, das war für mich aber auch keine Überraschung. Mich begeistern auch die Rahmenbedingungen, die Qualität der Plätze, die Versorgung rundherum. Ich habe ein durchwegs positives Gefühl.“
Die bekannten Stimmungsschwankungen im Umfeld des Rekordmeisters sieht der erfahrene Trainer als Herausforderung: „Genau deshalb mache ich diesen Job. Das ist das, was mich reizt, das Spannende an diesem Club. Er kann eine unglaubliche Energie in beide Richtungen entwickeln, und wir wollen es so steuern, dass die Energie nur in eine Richtung geht. Wir wollen so performen, dass bei Toppartien am Spieltag im Allianz Stadion kein Ticketschalter mehr aufmacht.“
Stöger selbst hat bei Rapid einen langfristigen Vertrag bis Sommer 2027 unterschrieben und sieht nur punktuellen Verstärkungsbedarf im aktuellen Kader. Er will das Team flexibler und widerstandsfähiger für entscheidende Spiele machen. Sportdirektor Markus Katzer betonte bei Stögers Verpflichtung dessen umfassende nationale und internationale Expertise und bezeichnete ihn als idealen Kandidaten für die ambitionierten Ziele des Vereins.
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Austria-Vergangenheit
Auf die Frage, ob er bei Rapid mehr als Psychologe und Moderator gefordert sei, antwortete Stöger: „Der ‚inner circle‘ ist überall gleich wichtig, egal ob in der Regionalliga oder in der Champions League. Der Unterschied ist, dass man bei Rapid mehr Nebenschauplätze hat, weil das Interesse größer ist, da hat man vielleicht mehr zu moderieren als anderswo.“
Die Fankultur bei den Grün-Weißen beeindruckt den neuen Coach: „Der Support ist unglaublich, das hat man zum Beispiel im letzten Heimspiel gegen den LASK gesehen. Ich habe im Fußball schon viel Erfahrung gesammelt, aber es hat mich überrascht, wie oft ich auf Rapid angesprochen werde. Das ist schon eine andere Dimension und richtig spannend. Bei den Fans ist es wie im Leben: Wo weniger Menschen sind, gibt es weniger Spannungen, wo mehr Menschen sind, gibt es mehr Spannungen. Man muss das moderieren, und das werden wir.“
Seine Vergangenheit beim Stadtrivalen Austria Wien sieht Stöger gelassen: „Ich habe für alles Verständnis, eine hundertprozentige Zustimmung wird es nie geben. Die Skepsis habe ich bisher aber noch gar nicht gespürt. Vielleicht warten diejenigen noch eine Möglichkeit ab und kommen erst dann raus… Ich bin auf jeden Fall extrem stolz, diesen Verein coachen zu dürfen, und mir wird viel Wertschätzung entgegengebracht. Ich habe auch das Gefühl, dass dem Verein Wertschätzung dafür entgegengebracht wird, dass sie es geschafft haben, dass ich mit meiner Erfahrung und meinen Erfolgen hier andocke. Das hatte ich nicht am Schirm, dass man es so wertschätzt, dass ich als jemand, der von der Austria zu Rapid geht, da so empfangen werde. Aber das ist für mich sehr positiv.“