Der 15-jährige Schüler, der einen mutmaßlichen Terroranschlag auf den Wiener Westbahnhof geplant haben soll, muss sich heute unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen vor Gericht verantworten. Die Anklage umfasst mehrere schwerwiegende Delikte nach den Terror-Paragrafen des Strafgesetzbuchs, darunter die Vorbereitung einer terroristischen Straftat gemäß § 278c StGB sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach seiner Überstellung in die Justizanstalt Josefstadt legte der Jugendliche ein umfassendes Geständnis ab.
Die Sicherheitsbehörden nahmen den Beschuldigten am 10. Februar in seinem Elternhaus in Wien-Währing fest. Auslöser der Ermittlungen war ein Hinweis des deutschen Bundeskriminalamts, das auf ein TikTok-Profil mit eindeutig radikalislamistischen Inhalten gestoßen war. Die digitalen Spuren führten die Ermittler direkt zum Tatverdächtigen, der bis zu seiner Festnahme bei seinen Eltern wohnte und im Herbst eine Lehre beginnen wollte.
Behördliche Ermittlungen
Nach Eingang der Informationen übernahm die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) die Koordination der weiteren Ermittlungsschritte. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Landesamt Staatsschutz und Terrorismusbekämpfung (LSE) sowie Spezialeinheiten der WEGA erfolgte schließlich der Zugriff. Bei der richterlich angeordneten Hausdurchsuchung stießen die Ermittler auf mehrere Messer sowie umfangreiches Propagandamaterial, das seine Verbindung zum sogenannten Islamischen Staat dokumentierte.
Wie nun bekannt wurde, fand die Polizei bei der Durchsuchung auch Materialien zur Herstellung von Sprengsätzen sowie detaillierte Bauanleitungen für Bomben. Der Jugendliche soll sich innerhalb weniger Monate radikalisiert haben, wobei er nicht nur IS-Propagandamaterial konsumierte, sondern sich auch in einschlägigen Telegram-Kanälen mit einem IS-Kontaktmann ausgetauscht haben soll. Dabei wurden laut Ermittlungsakten konkrete Anschlagspläne gegen „Ungläubige und Polizisten“ besprochen, wobei auch eine Geiselnahme in Erwägung gezogen wurde.
⇢ Wollte Anschlag organisieren“ – 27-jähriger festgenommen
Besonders brisant: Bereits im Dezember 2024 hatte die Schulleitung nach Rücksprache mit der Schulqualitätsmanagerin den Verdacht auf Radikalisierung an die Behörden gemeldet, nachdem der Schüler durch Gewaltfantasien und religiös motivierte Ausgrenzung von Mitschülerinnen auffällig geworden war. Die Bildungsdirektion und das Innenministerium bestätigten, dass entsprechende Hinweise an die Landespolizeidirektion und das Landesamt für Staatsschutz Wien weitergeleitet wurden.
Anschlagspläne entdeckt
Besonders alarmierend waren detaillierte Skizzen der U6-Station am Westbahnhof, die der Tatverdächtige angefertigt hatte. Die Zeichnungen zeigten neben Zügen und Gleisanlagen auch schematische Darstellungen von Personen, wobei eine Figur mit einem messer- oder macheteartigen Gegenstand auf andere einsticht. Die potenziellen Opfer hatte der Jugendliche mit dem Begriff „Kuffar“ (Ungläubige) gekennzeichnet – einem im islamischen Kontext verwendeten Ausdruck für „Ungläubige“, der Angehörige anderer Religionen oder Nicht-Muslime bezeichnet.
Der 15-Jährige befindet sich seit Mitte Februar aufgrund bestehender Tatbegehungsgefahr in Untersuchungshaft.
Seine Eltern, die türkische Wurzeln haben, werden als liberal beschrieben und sollen keine strenge Auslegung des Islam praktizieren.
Auffälliges Verhalten in Haft
Auch während seiner Untersuchungshaft fiel der Jugendliche durch gewalttätiges Verhalten auf. Am 23. Mai kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit einem Mithäftling, bei der dieser verletzt wurde. Im Anschluss daran soll der Beschuldigte angekündigt haben, nach seiner Entlassung seinen Klassenlehrer „schlachten“ zu wollen, was zu weiteren Anklagepunkten wie gefährlicher Drohung und Körperverletzung führte. Diese Vorfälle haben die Behörden in ihrer Einschätzung bestärkt, dass von dem Jugendlichen eine anhaltende Gefahr ausgeht.
📍 Ort des Geschehens