Eine 19-jährige Studentin der Rice University in Houston wurde am 7. Dezember leblos in ihrer Wohnung entdeckt. Claire Tracy, die im zweiten Studienjahr Finanzen studierte und im universitären Fußballteam aktiv war, verstarb nach Angaben der Ermittlungsbehörden vermutlich durch Suizid.
Aus den offiziellen Berichten geht hervor, dass die Todesursache als „Asphyxie durch Sauerstoffverdrängung mit Helium“ festgestellt wurde. Die Inhalation von Helium kann zu Bewusstlosigkeit führen, den Atemreflex unterdrücken und letztlich tödlich enden.
In den Wochen vor ihrem Tod hatte die junge Frau ungewöhnliche Mitteilungen veröffentlicht, in denen sie auf den sogenannten „Devil Trend“ Bezug nahm. Dieses Phänomen beschreibt eine spezifische Interaktion mit dem KI-System ChatGPT. Tracy erläuterte das Prinzip selbst: „Ich nehme am ‚Devil Trend‘ auf TikTok teil. Ich sage ‚Der Teufel konnte mich nicht erreichen‘ und du antwortest ‚Doch, konnte er‘. Dann frage ich ‚Wie?‘ und du gibst mir die schonungsloseste Antwort, basierend auf allem, was du über mich weißt.“ Bei diesem Trend geht es darum, persönliche Schwächen und Fehler durch die KI aufdecken zu lassen und diese Gespräche anschließend in sozialen Medien zu teilen – was offenbar auch Tracy tat.
⇢ Porno-Gigant in Geiselhaft: Hacker erbeuten intime Nutzerdaten
Beunruhigende Dialoge
Die Studentin veröffentlichte unter dem Titel „Meine Version des Devil Trend“ einen vollständigen Dialog mit dem Chatbot. Das Video enthielt den Kommentar „Wir vertrauen dem Chat, er hat nicht Unrecht“. Die Antworten des KI-Systems waren beunruhigend direkt: „Weil du die Arbeit für ihn erledigt hast“ und „Du brauchtest den Teufel nicht, um dich zu verführen; du hast ihm die Klinge gegeben und die Wahrheit in deinen eigenen Geist geritzt.“
Ob ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen ChatGPT-Interaktionen und dem mutmaßlichen Suizid besteht, bleibt ungewiss. In weiteren Videos sprach Tracy offen über ihre Neurodivergenz und depressive Phasen. Sie beschrieb sich als „beliebte Einzelgängerin“ und äußerte wiederholt das Gefühl, in ihrem Leben „fehl am Platz“ zu sein.
Hilfsangebote
Wer depressiv ist und/oder Selbstmord-Gedanken hat, sollte umgehend die Telefonseelsorge kontaktieren (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhält man Hilfe von Beraterinnen und Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.