Wärmer werdende Meere schaffen ideale Bedingungen für einen Erreger, der für Menschen zur tödlichen Gefahr werden kann.
Mit den steigenden Wassertemperaturen im Mittelmeer verbreiten sich nicht nur invasive Tierarten wie Raubfische und Giftspezies in Richtung Adria, Italien, Frankreich und Spanien – auch das Risiko durch sogenannte fleischfressende Bakterien nimmt zu. Italienische Infektiologen schlagen Alarm: Besonders der Erreger Vibrio vulnificus, der bereits vor 21 Jahren erstmals zwischen Sizilien und Kalabrien nachgewiesen wurde, gewinnt durch die wärmer werdenden Küstengewässer mit leicht erhöhtem Salzgehalt zunehmend an Bedeutung.
Gefährliche Eintrittspforten
Matteo Bassetti, Infektiologe am Universitätsklinikum San Martino in Genua, weist eindringlich darauf hin, dass Menschen mit offenen Wunden, Hautabschürfungen oder frisch gestochenen Tätowierungen beim Baden in betroffenen Gewässern ein erhöhtes Risiko eingehen – über solche Eintrittspforten können die Keime in den Körper gelangen. Darüber hinaus besteht eine Gefahr durch den Konsum von rohen oder unzureichend erhitzten Meeresfrüchten, insbesondere Austern.
Gelangt der Erreger in den menschlichen Körper, kann er schwere Wundinfektionen, eine Blutvergiftung sowie in seltenen Fällen eine nekrotisierende Fasziitis – also das Absterben von Gewebe – auslösen. Als besonders gefährdet gelten Personen mit Lebererkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem.
Fälle in den USA
Auch in den Vereinigten Staaten haben Gesundheitsbehörden reagiert: Im Bundesstaat Florida wurden bis zum 30. Juli zwölf Infektionsfälle sowie ein Todesfall im Palm Beach County gemeldet. Für den gesamten Bundesstaat kommen zwei weitere Todesfälle und 14 Infizierte hinzu; im Bundesstaat Louisiana wurden fünf Todesfälle verzeichnet.
Diese aktuellen Zahlen reihen sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein: Im Jahr 2025 wurden in Florida bislang 33 Fälle mit fünf Todesopfern registriert, während 2024 die Infektionszahl auf 82 anstieg und 19 Menschen starben.
In den USA werden pro Jahr durchschnittlich rund 100 Infektionen mit Vibrio vulnificus erfasst – etwa ein Drittel davon verläuft tödlich.
In Europa waren bislang vor allem die Ostseeküstenregionen von einer erhöhten Fallzahl betroffen. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat vor einem erhöhten Risiko von Vibrio-Infektionen während der Sommersaison gewarnt, insbesondere bei Hitzewellen und in flachen Küstengewässern.