Westeuropa erlebt einen außergewöhnlichen Sommer – Rekordhitze und extreme Trockenheit verstärken sich dabei zunehmend gegenseitig.
Westeuropa hat in den Monaten Juni und Juli Temperaturen erlebt, die in den Copernicus-Auswertungen bislang ohne Vergleich sind. Für beide Monate zusammen erreichte die Durchschnittstemperatur in der Region 21,62 Grad – das sind 2,79 Grad mehr als im Mittel der Referenzperiode 1991 bis 2020. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 übertroffen. Bereits der Juni allein war mit durchschnittlich 20,74 Grad der heißeste Juni, der für Westeuropa in den Copernicus-Daten verzeichnet wurde.
Seit Mai wurden in Westeuropa zudem vier Hitzewellen registriert. Allein im Juli trafen die dritte und vierte Hitzewelle innerhalb weniger Monate auf die Region – eine außergewöhnliche Häufung, wie der EU-Klimadienst Copernicus festhält.
Hitze und Dürre
Parallel zur Hitze hält die Trockenheit in weiten Teilen Europas an. Wie bereits in den Vormonaten blieben die Niederschläge im Juli in zahlreichen Regionen deutlich unter dem Durchschnitt. Betroffen waren insbesondere Teile der Iberischen Halbinsel, Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und Ungarns sowie unter anderem Großbritannien, Irland und die Benelux-Staaten.
Auch die Oberflächenbodenfeuchtigkeit in Westeuropa lag im Juli deutlich unter dem Niveau vom Juli 2022, als die Region zuletzt von einer schweren Dürre betroffen war. Samantha Burgess, strategische Leiterin für Klima bei Copernicus, verweist dabei auf einen sich selbst verstärkenden Effekt: Trocknen Böden aus, können sie durch Verdunstung weniger zur natürlichen Abkühlung beitragen. Dadurch kann sich die Hitze zusätzlich verstärken.
Nach Einschätzung von Copernicus zeigt sich daran besonders deutlich, wie sich Hitze und Dürre gegenseitig verstärken können. Durch den Klimawandel steigt zugleich die Wahrscheinlichkeit und Intensität extremer Hitzeperioden.
Auch die Wasserführung großer europäischer Flüsse war von der Trockenheit betroffen. Unter anderem an Seine, Rhein und Donau wurden außergewöhnlich niedrige Abflussmengen registriert.
Rekordtemperaturen in den Weltmeeren
Auch die Weltmeere erreichten im Juli einen neuen Höchstwert. Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur außerhalb der Polarregionen – zwischen 60 Grad südlicher und 60 Grad nördlicher Breite – lag bei 20,96 Grad. Damit wurde der bisherige Juli-Rekord von 20,89 Grad aus dem Jahr 2023 übertroffen.
Eine Rolle spielt dabei auch das Klimaphänomen El Niño. Im tropischen Pazifik herrschen derzeit El-Niño-Bedingungen, die sich laut Copernicus in den kommenden Monaten weiter verstärken könnten. Besonders hohe Meeresoberflächentemperaturen wurden zudem entlang der europäischen Atlantikküste sowie im westlichen Mittelmeer gemessen. Dort traten regional ausgeprägte marine Hitzewellen auf.
Für ganz Europa betrachtet war der Juli mit einer Mitteltemperatur von 20,49 Grad der elftwärmste Juli seit Beginn der entsprechenden Copernicus-Auswertungen. Das waren 0,66 Grad mehr als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Während Westeuropa außergewöhnlich heiß war, lagen die Temperaturen in Teilen Osteuropas und Skandinaviens deutlich niedriger.
Global erreichte der Juli eine Durchschnittstemperatur von rund 16,90 Grad. Damit lag der Monat gemeinsam mit dem Juli 2024 auf dem zweiten Platz der wärmsten Juli-Monate. Wärmer war bislang nur der Juli 2023 mit rund 16,95 Grad. Im weltweiten Vergleich lag der Juli 2026 rund 1,47 Grad über dem geschätzten vorindustriellen Niveau von 1850 bis 1900.
Der Klimadienst Copernicus der Europäischen Union veröffentlicht regelmäßig Auswertungen zu Luft- und Meeresoberflächentemperaturen, Niederschlägen, Bodenfeuchtigkeit und Meereisbedeckung. Grundlage sind sogenannte Reanalysedaten, in die Milliarden von Messwerten aus Satelliten, Wetterstationen, Schiffen, Flugzeugen und weiteren Beobachtungssystemen einfließen.
Auch innerhalb Deutschlands zeigte sich im Juli ein deutliches Temperaturgefälle: Der Südwesten war laut Deutschem Wetterdienst deutlich wärmer, trockener und sonniger als der Nordosten.