Kroatien stöhnt unter einer Hitzewelle, die nicht nur Menschen, sondern das gesamte Land an seine Grenzen bringt.
Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit bringen Kroatien an seine Belastungsgrenze: Flüsse verzeichnen historische Tiefstände, die Schifffahrt kommt vielerorts zum Erliegen, und auch Bahnbetrieb sowie Energieversorgung geraten unter Druck. Am Donnerstag, dem 6. August, gilt landesweit die höchste Warnstufe wegen extremer Hitze. Der staatliche Wetterdienst DHMZ erwartet je nach Region Spitzenwerte zwischen mehr als 35 und über 39 Grad. Die Bevölkerung ist aufgerufen, sich zu schützen und besonders auf Kinder sowie ältere Menschen zu achten.
Der lang anhaltende Niederschlagsmangel in Verbindung mit den außergewöhnlichen Temperaturen hat inzwischen dramatische Spuren in Kroatiens Flusslandschaft hinterlassen. Donau und Drau haben im Osten des Landes Wasserstände erreicht, die in der Messgeschichte ohne Vergleich sind. Bei Batina wurde an der Donau ein Pegelstand von minus 147 Zentimetern registriert – rund 20 Zentimeter unter dem bisherigen Rekordtief aus dem Jahr 1909.
Historische Tiefstände
Auch die Drau liegt etwa 20 Zentimeter unterhalb ihres früheren Minimums. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Wasserstände bei Osijek bereits seit 1827 aufgezeichnet werden – und noch nie wurden dort derart niedrige Werte gemessen, wie die kroatische Wasserbehörde mitteilt.
Noch kritischer stellt sich die Lage bei kleineren Gewässern dar. Fachleute gehen davon aus, dass die Orljava im Gebiet von Pozega und die Plitvica bei Varazdin innerhalb weniger Tage abschnittsweise vollständig trockenfallen könnten – sofern keine nennenswerten Niederschläge einsetzen. Die Folgen sind bereits greifbar: Von Osijek aus ist eine kommerzielle Schifffahrt kaum noch möglich, Boote und Schiffe liegen stellenweise auf dem Trockenen.
Bei Vukovar wurde der Schiffsbetrieb auf einzelnen Abschnitten eingestellt, und auch der Fährbetrieb über die Save bei Obrovno musste wegen des niedrigen Wasserstandes unterbrochen werden. Auch Fischteiche in Slawonien sind von der Situation betroffen. An einigen Stellen misst die Drau nur noch etwa 15 Zentimeter Wassertiefe, während die Wassertemperatur auf rund 28 Grad angestiegen ist, was den Sauerstoffgehalt senkt und Fische sowie andere Wasserlebewesen zusätzlich gefährdet.
Versorgung unter Druck
Auf der Insel Krk, in Istrien, in Zadar sowie in Teilen Westslawoniens wurden die Bewohnerinnen und Bewohner bereits zu einem bewussten Umgang mit Trinkwasser aufgefordert. In Daruvar und drei umliegenden Gemeinden ist die verfügbare Kapazität der Wasserquellen um rund 20 Prozent gesunken. In Zadar, Biograd und Benkovac kommt es zeitweise zu Druckabfällen im Leitungsnetz, von denen vor allem Haushalte in höheren Lagen betroffen sind.
Auch die Energieversorgung bleibt von den Folgen der Hitze nicht unberührt. Das slowenische Atomkraftwerk Krsko hat seine Leistung vorübergehend auf 80 Prozent gedrosselt, da die Temperatur der Save als Kühlwasserquelle zu hoch ist. Umweltauflagen schreiben vor, dass die Flusstemperatur durch den Kraftwerksbetrieb einen Grenzwert von 28 Grad nicht überschreiten darf. Ein technisches oder sicherheitsrelevantes Problem liegt nach Angaben des Betreibers nicht vor, und die kroatische Regierung versichert, dass die Stromversorgung des Landes weiterhin gesichert ist.
Auch die kroatische Bahn hat ihre Überwachungsmaßnahmen intensiviert. Bei den derzeitigen Temperaturen können sich Schienen auf über 60 Grad aufheizen, was die Gefahr von Gleisverformungen mit sich bringt. Mitarbeiter von HZ Infrastruktura kontrollieren daher besonders gefährdete Streckenabschnitte in engeren Intervallen. Eine erste Wetterentspannung wird ab Freitag erwartet: Auf dem Festland sollen Schauer, Gewitter und sinkende Temperaturen Erleichterung bringen, während an der Adriaküste die extreme Hitze noch deutlich länger anhalten dürfte.