Fünf Frachtkonvois, rund 15 Besatzungsmitglieder und kein Weiterkommen: Im Mohovo-Kanal zeigt die Donau, wie schnell ein historisches Wasserbauwerk zum Nadelöhr werden kann.
Fünf Schubverbände des österreichischen Unternehmens DDSG Logistics warten seit rund zehn Tagen im Mohovo-Kanal auf der Donau. Wegen des extrem niedrigen Wasserstands können die schweren Frachtschiffe den Abschnitt derzeit nicht sicher passieren. Zu den Konvois gehören insgesamt rund 15 Besatzungsmitglieder. Wie viele von ihnen sich aktuell noch an Bord befinden, ist allerdings unklar.
Wer derzeit am Donauufer unterhalb der mittelalterlichen Festungsruine von Šarengrad spaziert, bekommt ein ungewöhnliches Bild zu sehen: Mehrere schwere Frachtverbände liegen reglos im Kanal und warten auf bessere Bedingungen. Šarengrad ist ein kleiner Ort mit rund 360 Einwohnern.
Anwohner berichten, dass die Besatzungsmitglieder während des Wartens baden, angeln und gelegentlich grillen. Die kroatischen Behörden sollen die Schiffe und deren Besatzungen regelmäßig kontrollieren. Ob sich weiterhin alle rund 15 Seeleute an Bord befinden, konnte zuletzt jedoch nicht bestätigt werden.
Donau erreicht Rekordtiefstände
Der rund 4,5 Kilometer lange Mohovo-Kanal gilt seit Jahren als einer der problematischsten Abschnitte der kroatischen Donau. Der felsige Untergrund und die stellenweise geringe Wassertiefe erschweren insbesondere größeren Schubverbänden mit hohem Tiefgang die Durchfahrt. Bei extremem Niedrigwasser bleibt den Schiffen häufig nur, vor dem Engpass zu warten.
Die aktuelle Situation ist eine Folge der anhaltenden Trockenheit in weiten Teilen Mittel- und Südosteuropas. An zahlreichen Messstellen entlang der mittleren und unteren Donau wurden in den vergangenen Wochen außergewöhnlich niedrige, teilweise historische Wasserstände registriert.
Die Auswirkungen reichen weit über die Schifffahrt hinaus. Das ungarische Atomkraftwerk Paks musste seine Leistung wegen der schwierigen Bedingungen bei der Kühlwasserversorgung stark reduzieren. Im rumänischen Kernkraftwerk Cernavodă wurde einer der beiden Reaktoren heruntergefahren, während der zweite mithilfe zusätzlicher Maßnahmen weiterbetrieben wurde.
Auch auf dem kroatischen Donauabschnitt wurden neue Tiefstwerte gemeldet. Nach Angaben kroatischer Medien sank der Pegel bei Batina auf minus 147 Zentimeter. Damit soll der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 1909 um rund 20 Zentimeter unterschritten worden sein.
Dass Schiffe im Mohovo-Kanal Probleme bekommen, ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr lief dort eine slowakische Barge mit rund 1.000 Tonnen Harnstoffdünger auf einem Unterwasserfelsen auf. Wasser drang in das Schiff ein, die Bergungsarbeiten dauerten mehr als 80 Stunden. Erst nachdem ein Teil der Ladung umgeladen worden war, konnte das Schiff wieder befreit werden.
Seit Jahren bekannter Engpass
Trotz des niedrigen Wasserstands hat die Hafenkapitänei Vukovar, die für die Sicherheit der Schifffahrt auf dem kroatischen Donauabschnitt zwischen Batina und der serbischen Grenze bei Ilok zuständig ist, bislang kein generelles Fahrverbot verhängt. Die Donau ist eine internationale Wasserstraße und grundsätzlich ganzjährig für die Schifffahrt geöffnet. Ob ein Schiff einen bestimmten Abschnitt tatsächlich passieren kann, hängt jedoch von seinem Tiefgang und den aktuellen Wasserverhältnissen ab.
Das Grundproblem im Mohovo-Kanal ist seit Jahren bekannt. Das kroatische Verkehrsministerium führt den Abschnitt als Engpass, an dem die erforderliche Fahrrinnentiefe nicht durchgehend erreicht wird. Eine kroatisch-serbische Untersuchung aus dem Jahr 2025 erfasst den problematischen Bereich zwischen den Flusskilometern 1311,4 und 1307,6.
In den vergangenen Jahren wurden der Abschnitt vermessen, die Bedingungen überwacht und verschiedene technische Lösungen untersucht. Dazu gehören mögliche Ausbaggerungen, die Beseitigung von Hindernissen und eine Erweiterung beziehungsweise Vertiefung der Fahrrinne. Eine umfassende bauliche Sanierung wurde bislang jedoch nicht umgesetzt.
Der Kanal wurde zwischen 1892 und 1893 zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie angelegt. Er sollte eine weitläufige Donauschleife zwischen Mohovo und Šarengrad abkürzen und die Schifffahrtsroute um rund zwölf Kilometer verkürzen. Was damals als technische Errungenschaft galt, wird bei extremem Niedrigwasser regelmäßig zum gefährlichen Nadelöhr.
Für die Besatzungen der fünf DDSG-Logistics-Konvois bleibt deshalb vorerst nur das Warten – auf Regen, steigende Pegel und ausreichend Wasser für eine sichere Weiterfahrt.