Tödlicher Gondel-Unfall in Venedig: Nach jahrelangem Rechtsstreit erhalten die Hinterbliebenen eines deutschen Urlaubers nun Millionen als Entschädigung.
Mehr als ein Jahrzehnt nach dem tödlichen Unfall eines deutschen Urlaubers bei einer Gondelfahrt in Venedig erhält dessen Familie nun eine millionenschwere Entschädigung. Der 50-jährige Jurist aus Baden-Württemberg verbrachte im August 2013 seinen Urlaub mit Frau und drei Kindern in der Lagunenstadt. Bei einer Fahrt auf dem Canal Grande kollidierte ihre Gondel nahe der Rialtobrücke mit einem Vaporetto, einem der als öffentliche Verkehrsmittel genutzten Wassertaxis. Der Mann geriet ins Wasser und wurde zwischen Anlegestelle und Schiff tödlich eingeklemmt. Eine seiner Töchter erlitt ebenfalls Verletzungen. Der Gondoliere erklärte damals, er habe die Kontrolle über sein Boot verloren, als er anderen Wasserfahrzeugen an der Brücke ausweichen wollte.
Der Entschädigungsklage gingen mehrere Strafverfahren voraus. Bereits im Juni 2015 wurden drei Vaporetto-Fahrer sowie ein Wassertaxi-Lenker zu Bewährungsstrafen verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie durch gegenseitige Behinderung den Unfall verursacht hatten. In einem späteren Verfahren wurde auch gegen einen Gondoliere ein Schuldspruch verhängt.
Millionenschwere Entschädigung
Die Ehefrau des Verstorbenen bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Aufhebung des vorherigen Urteils. Zur konkreten Entschädigungssumme machte sie keine Angaben, wies jedoch darauf hin, dass der in Medienberichten genannte Betrag von vier Millionen Euro zu hoch angesetzt sei. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, könnte der Fall vor einer höheren Instanz weiterverhandelt werden.
Nach Informationen italienischer Medien verurteilte das Berufungsgericht die städtischen Verkehrsbetriebe Venedigs, die für den Kanalbetrieb verantwortlich sind, zur Zahlung von 2,2 Millionen Euro. Die restlichen 1,8 Millionen Euro sollen von zwei Bootsführern aufgebracht werden. Ein erstinstanzliches Gericht hatte die Entschädigungsforderung 2018 noch vollständig abgewiesen.
Die Hinterbliebenen – Ehefrau und Kinder des Opfers – sollen laut Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa und der Lokalzeitung „Il Gazzettino“ insgesamt vier Millionen Euro erhalten.
In erster Instanz waren ihre Forderungen noch erfolglos geblieben.
Lange juristische Aufarbeitung
Erst 2021 ordnete Italiens Oberstes Gericht an, dass ein verpflichtendes technisches Gutachten zum Unfallhergang erstellt werden muss – ein Schritt, den das Erstgericht unterlassen hatte. Diese neue Beweislage war entscheidend für den Ausgang des Verfahrens. Das aktuelle Urteil des Berufungsgerichts begründet die Entschädigung unter anderem mit grober Fahrlässigkeit des Gondoliere, der die Verkehrssituation auf dem stark befahrenen Canal Grande nicht ausreichend berücksichtigt haben soll.
Kritik am venezianischen Wasserverkehr
Der tragische Unfall löste in Venedig umgehend eine Debatte über die Sicherheit auf den Wasserstraßen aus. Bereits kurz nach dem Vorfall forderten sowohl die Gondolieri-Gewerkschaft als auch der damalige Bürgermeister Giorgio Orsoni eine bessere Verkehrsregelung auf dem Canal Grande. Die Gondolieri kritisierten damals die hohe Anzahl und Geschwindigkeit der motorisierten Wasserfahrzeuge und stellten aus Protest vorübergehend ihren Betrieb ein.
Die Stadtverwaltung kündigte nach dem Unfall an, die Verkehrsregeln auf den Kanälen zu überprüfen und anzupassen. Obwohl seither regelmäßig über Reformen diskutiert wird, beklagen lokale Medien, dass die Wasserstraßen der Lagunenstadt besonders in Hochsaison nach wie vor stark überlastet sind und potenzielle Gefahrensituationen bestehen.
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