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Betrugsvorwurf

Tresor im Keller: Benkos Millionen-Versteckspiel vor Gericht

Tresor im Keller: Benkos Millionen-Versteckspiel vor Gericht
FOTO: EPA/Christian Bruna, iStock
6 Min. Lesezeit |

Luxusuhren für Kinder, Bargeld als „Haushaltsgeld“ und ein versteckter Tresor bei Verwandten – der Fall Benko nimmt vor Gericht bizarre Wendungen.

Der zweite Prozess gegen Signa-Gründer René Benko und seine Ehefrau Nathalie hat am Mittwoch vor dem Landesgericht Innsbruck begonnen. Das Ehepaar muss sich wegen des Verdachts der betrügerischen Krida verantworten. Laut Anklage sollen sie während Benkos Insolvenzverfahren als Einzelunternehmer Vermögenswerte im Wert von 370.000 Euro – darunter Bargeld, Schmuck und Uhren – in einem Tresor bei Verwandten versteckt haben. Beide Angeklagte verzichteten auf Aussagen vor Gericht.

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Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft argumentierte, dass die Gläubiger durch diese Handlung geschädigt wurden. Der Ankläger betonte den engen zeitlichen Zusammenhang: Nur fünf Tage nach Benkos Insolvenzantrag wurde am 11. März 2024 der Tresor im Haus von Nathalie Benkos Onkel und Tante im Tiroler Oberland installiert. Bei den Ermittlungen fiel auf, dass versicherte Uhren nicht im Vermögensverzeichnis des Unternehmers aufgeführt waren. Nach einem Hinweis eines ehemaligen Security-Mitarbeiters entdeckten die Ermittler bei einer Hausdurchsuchung den hinter Kartons versteckten Tresor im Keller des Verwandtenhauses.

Der Staatsanwalt bezeichnete Benkos Verhalten nach seiner Festnahme als „verblüffend“. Zunächst verweigerte der Unternehmer die Aussage zu den fraglichen Vermögenswerten, gab jedoch Wochen später eine schriftliche Erklärung ab. Darin behauptete er, vier der Uhren bereits 2021 seinen damals sechs- und elfjährigen Söhnen zu Weihnachten geschenkt zu haben, wobei er sie sich gelegentlich „ausgeborgt“ habe. Fotos vom betreffenden Weihnachtsfest zeigten jedoch laut Staatsanwaltschaft „alterstypische“ Geschenke für die Kinder, während Benko am 25. Dezember selbst eine der fraglichen Uhren trug. Weitere Uhren seien angeblich für eine Charity-Versteigerung vorgesehen gewesen.

Verteidigung widerspricht

Benkos Verteidiger Norbert Wess kritisierte in seinem Plädoyer die Anklage der WKStA scharf und forderte einen Freispruch. Die Vorwürfe seien unbegründet und die Anklage enthalte keine objektiv belastenden Beweise. „Ab Seite zehn wird es überhaupt Science-Fiction“, erklärte Wess emotional und bezeichnete die Anklage wiederholt als „Hokuspokus“. Er bemängelte, dass die Ermittlungsbehörde nicht ergebnisoffen alle Aspekte abgewogen habe, und nannte den Fall einen „Paradefall, wie man nicht anklagen soll und anklagen darf“.

Der Verteidiger betonte, dass die Anklage das Jahr 2021 völlig außer Acht lasse – eine Zeit, in der sich Benko beruflich und wirtschaftlich „auf dem Zenit“ befunden habe. Damals seien alle Familienmitglieder mit Geschenken bedacht worden, die durchaus als „übliche Geschenke“ zu betrachten seien. Zudem hätten Onkel und Tante unter Wahrheitspflicht ausgesagt, dass ihre Nichte lediglich ihre Wertgegenstände wegen eines bevorstehenden Umzugs bei ihnen aufbewahren wollte. René Benko sei in keiner Weise involviert gewesen.

Laut Wess hatte Benko seinen Söhnen die Uhren 2021 „in einem emotionalen Moment“ geschenkt – als „angreifbare Erinnerung“ an den Vater, wie es in der schriftlichen Gegenäußerung hieß. Von insgesamt 16 hochwertigen Uhren seien mehrere an den Insolvenzverwalter übergeben worden. Dass ein Sechsjähriger oder Elfjähriger solche Geschenke erhalte, sei „in einem Familienverband“ normal, argumentierte der Anwalt – man schenke eben langfristig, ohne dass die Kinder die Uhren sofort tragen müssten.

Michael Hohenauer, der Verteidiger von Nathalie Benko, bezeichnete die WKStA-Anklage als „mangelhaft und fehlerhaft“. Das angebliche Gespräch zwischen den Eheleuten, bei dem sie den „Tatplan“ geschmiedet haben sollen, habe „niemals stattgefunden“ und sei „frei erfunden“. Er erklärte, Nathalie Benko habe den Tresor angeschafft, um „ihre wertvollsten Gegenstände“ – sieben Diamantringe im Wert von 5,5 Millionen Euro – während eines Umzugs sicher aufzubewahren. Diese Ringe waren nicht Teil der Anklage, befanden sich jedoch bei der WKStA.

Zeugenaussagen im Prozess

Als erster Zeuge wurde Nathalie Benkos Onkel in den Stand gerufen. Er sagte aus, seine Nichte habe lediglich gefragt, ob sie Wertgegenstände unterbringen könne. Da sein Haus keinen Safe hatte, wurde ein Tresor angeschafft, den Nathalie Benko selbst auswählte. Nach dem Einbau sei die „Sache erledigt“ gewesen. Er habe nichts über den Inhalt gewusst und mit René Benko sei die Angelegenheit nie besprochen worden.

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Anschließend sagte Andreas Grabenweger aus, der Masseverwalter in Benkos persönlichem Konkursverfahren. Er schilderte, wie er kurz nach der Insolvenzeröffnung Benkos Villa in Innsbruck-Igls besuchte und den Unternehmer aufforderte, ihm sein Eigentum zu zeigen. Benko habe ihn zu einem Tresor geführt, in dem sich zwei Uhren befanden, mit Halterungen für weitere Uhren. Eine Uhr trug Benko am Handgelenk; außerdem seien Manschettenknöpfe und Schmuck vorhanden gewesen. Benko habe erklärt, dies seien alle Wertgegenstände in seinem Besitz. Als vorhandenes Bargeld habe der Unternehmer „null“ angegeben, was Grabenweger nach eigener Aussage in seiner gesamten beruflichen Laufbahn noch nie erlebt hatte.

Da in den Medien von Benkos „toller Uhrensammlung“ berichtet worden war, hätten ihn diese Angaben „stutzig“ gemacht, erklärte der Masseverwalter. Nach einer Hausdurchsuchung reichte er eine Sachverhaltsdarstellung ein. Insbesondere habe er nach einer Luxusuhr der Marke „Patek Philippe“ gesucht, die später tatsächlich gefunden wurde. Benko habe daraufhin „proaktiv“ eine Ergänzung des Vermögensverzeichnisses vorgenommen und acht Uhren angegeben.

Als Grabenweger Geschenke der vergangenen zehn Jahre an nahe Angehörige aufgelistet sehen wollte, habe Benkos Seite erklärt, dies sei mangels Unterlagen nur als Gesamtsumme möglich. So seien zwischen 2019 und 2021 Schenkungen in Höhe von 5,5 Millionen Euro an Nathalie Benko erfolgt. Bei Geschenken an die Kinder sei von „anlassbezogenen“ Gaben die Rede gewesen. Grabenweger habe die Sache damit als erledigt betrachtet, da er aufgrund des Alters der Kinder von altersgerechten Geschenken ausgegangen sei – bei Luxusartikeln wie teuren Uhren wäre eine detaillierte Auflistung erforderlich gewesen.

Der frühere Signa-Holding-Geschäftsführer Marcus Mühlberger konnte als Zeuge wenig zur Aufklärung beitragen. Er wurde zu Versicherungsdokumenten befragt, nachdem er in der Laura Privatstiftung für „Versicherungen jeglicher Art“ zuständig gewesen war, darunter auch für Schmuck- und Wertgegenstände der Familie Benko.

Wie bereits beim ersten Krida-Prozess gegen den früheren Milliardär war der Medienandrang vor und im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Innsbruck enorm. Etwa 50 Journalisten, darunter auch internationale Medienvertreter, sowie zahlreiche Fotografen und Kamerateams waren anwesend. Als der in Untersuchungshaft befindliche Benko – ohne Handschellen – von Sicherheitsbeamten in den Gerichtssaal geführt wurde, setzte ein minutenlanges Blitzlichtgewitter ein. Der 48-Jährige wirkte sichtlich gezeichnet. Seine Ehefrau Nathalie betrat den Saal erst, nachdem die Fotografen und Kamerateams den Raum verlassen mussten.

Der Schöffenprozess unter Vorsitz von Richterin Heide Maria Paul ist für den heutigen Tag von 9.00 bis 18.00 Uhr angesetzt. Ein zweiter Verhandlungstag ist für den 16. Dezember geplant.

Wobei ein Urteil möglicherweise bereits heute fallen könnte.