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Sicherheitspolitik

Trinker-Exodus in Floridsdorf: Alkoholverbot treibt „Szene“ in Nachbarviertel

Trinker-Exodus in Floridsdorf: Alkoholverbot treibt „Szene“ in Nachbarviertel
(istockphoto: Alkoholverbot)
3 Min. Lesezeit |

Vom Problemviertel zum Vorzeigeprojekt? Wiens Alkoholverbotszone am Franz-Jonas-Platz wird unbefristet verlängert, doch die Trinkerszene findet neue Treffpunkte.

Am Franz-Jonas-Platz in Wien-Floridsdorf herrscht morgendliche Betriebsamkeit. Straßenbahnen takten im Dreiminutenrhythmus, Pendler eilen über den Betonplatz. Doch der fünftgrößte Bahnhof Österreichs galt lange nicht nur als Verkehrsknotenpunkt, sondern auch als Problemzone. Seit Februar 2025 gilt dort eine Alkoholverbotszone, die nun unbefristet verlängert werden soll, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Montag bekannt gab. Die Begründung: Beschwerden und Straftaten seien deutlich zurückgegangen, was zu einem verbesserten Sicherheitsgefühl geführt habe. Diese Einschätzung bestätigt auch die Landespolizeidirektion Wien, die von rückläufigen Einsatzzahlen spricht – allerdings ohne konkrete statistische Erhebungen vorzulegen.

Die Maßnahme findet bei Anwohnern durchaus Anklang. Die 22-jährige Anita Buidin bemerkt eine positive Veränderung: „Ich hoffe, dass das Verbot und die Polizeipräsenz bleiben“, erklärt sie und verweist besonders auf ihr gesteigertes Sicherheitsgefühl in den Abendstunden. Pensionistin Hermine Rohaczek (67) steht dem Alkoholverbot grundsätzlich positiv gegenüber, äußert jedoch Bedenken hinsichtlich seiner Wirksamkeit: „Ich glaube aber, dass es nicht viel ändert, die Szene verlagert sich nur im Bezirk.“ Tatsächlich umfasst die Verbotszone lediglich den Franz-Jonas-Platz selbst, Teilbereiche der Schloßhofer Straße und der Rechten Nordbahngasse sowie den Pius-Parsch-Platz und die Fußgängerzone der Franklinstraße – während andere Bezirksteile davon unberührt bleiben, darunter der Platz Am Spitz.

Verlagerungseffekte sichtbar

Genau dieser Bereich vor dem Amtshaus Floridsdorf entwickelt sich nun offenbar zum neuen Brennpunkt. „Es hat sich einfach verlagert. Jetzt sind sie bei uns hier am Platz“, berichtet die 29-jährige Alice B., die in einem Geschäft gegenüber dem Amtshaus arbeitet. Persönlich fühle sie sich jedoch nicht bedroht und verweist auf regelmäßige Polizeikontrollen in den umliegenden Geschäften. Für sie stellt ein Alkoholverbot keine nachhaltige Lösung dar: „Dann würden die Menschen einfach wo anders hingehen.“ Anders bewertet Geschäftsinhaber Robert Bagani (53) die Situation: „Es kommen immer weniger Kunden zu mir, weil sie Angst haben. Ich wünsche mir hier auch ein Alkoholverbot.“

SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai, dessen Amtssitz sich ebenfalls Am Spitz befindet, nimmt eine differenzierte Position ein: „Ich verstehe die Bedenken der Anrainer, aber mit dem Franz-Jonas-Platz ist das nicht zu vergleichen.“ Für ihn komme an diesem Standort kein Verbot in Betracht. Während sich am Franz-Jonas-Platz bis zu 45 Personen aufgehalten hätten, seien es Am Spitz maximal zwölf. Zudem stünden Sozialarbeiter mit diesen Menschen in kontinuierlichem Kontakt. „Ein Alkoholverbot kann ein Problem nicht wegzaubern“, betont Papai, räumt jedoch ein, dass die Maßnahme zu einem verbesserten Sicherheitsgefühl im Bezirk beigetragen habe, was sich in deutlich weniger Beschwerden niederschlage.

Platzumgestaltung geplant

Parallel zu diesen ordnungspolitischen Maßnahmen steht eine umfassende Neugestaltung des Franz-Jonas-Platzes bevor. Dieser soll zu einem grünen, attraktiven und klimaangepassten Areal umgestaltet werden. In einem dreimonatigen Beteiligungsprozess von Dezember 2024 bis März 2025 konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen einbringen. Die Ergebnisse werden am 5. Februar im Rahmen einer öffentlichen Präsentation im Amtshaus Floridsdorf vorgestellt. Die Umsetzung soll bis 2029 abgeschlossen sein. Papai betont jedoch, dass das Alkoholverbot nicht als Bestandteil dieses Projekts zu verstehen sei, wenngleich es zeitlich günstig mit der geplanten Umgestaltung zusammenfalle.

Alkohol- und Waffenverbote haben sich in Wien mittlerweile als ordnungspolitisches Instrument etabliert. Seit 2018 besteht am Praterstern ein Alkoholverbot, das 2019 durch ein Waffenverbot ergänzt wurde. In Wien-Favoriten wurden am Keplerplatz und am Reumannplatz seit März 2024 Waffenverbotszonen eingerichtet.

Die jüngste derartige Maßnahme trat im August 2025 am Yppenplatz in Wien in Kraft.

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KO KOSMO-Redaktion
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