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Bildungsnotstand

Es ist ihnen egal“ – Lehrerin kämpft gegen Sprachbarrieren

Es ist ihnen egal“ – Lehrerin kämpft gegen Sprachbarrieren
(istockphoto: Schule)
3 Min. Lesezeit |

Zwischen Sprachbarrieren und Altersunterschieden kämpft eine junge Wiener Lehrerin um den Bildungserfolg ihrer Schüler. Die Realität an ihrer Brennpunkt-Volksschule ist ernüchternd.

Eine Lehrerin aus einer Wiener Brennpunkt-Schule schildert alarmierende Zustände in ihrem Arbeitsalltag. Die junge, engagierte Pädagogin, die anonym bleiben möchte, unterrichtet an einer Volksschule nahe dem Wiener Gürtel und berichtet, dass unter mehreren hundert Kindern lediglich drei Deutsch als Muttersprache haben.

In ihrem Klassenzimmer mit 24 Schülern stößt die Wissensvermittlung regelmäßig an Grenzen. Die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Kinder erschweren den Unterricht erheblich – drei Viertel der Klasse kommunizieren untereinander auf Arabisch. Besonders problematisch: In ihrer dritten Klasse befinden sich sechs Burschen, die bereits zweimal sitzengeblieben sind. Diese 10- bis 11-Jährigen teilen sich nun den Unterricht mit deutlich jüngeren 8-jährigen Mitschülern.

Die Altersdifferenz macht sich deutlich bemerkbar. „Die sind viel größer als ihre Klassenkollegen, sie sind viel reifer, pubertieren, sie sind laut und dominant“, erklärt die 25-jährige Lehrerin. Die Sprachdefizite dieser Schüler empfindet sie als besonders entmutigend: „Sie sollten in der dritten Klasse schon Texte schreiben können, ich bin aber froh, wenn sie einzelne Objekte benennen können.“

⇢ Wiener Lehrerin verzweifelt: „Drittklässler können nicht mal Objekte benennen“

Gravierende Sprachdefizite

Die sprachlichen Fähigkeiten der mehrfach sitzengebliebenen Jungen, die eigentlich bereits die Mittelschule besuchen sollten, beschränken sich auf rudimentäre Äußerungen wie „Ich gehe Pause“ oder „Ich spiele Fußball“. Ihr Wortschatz ist minimal, grammatikalische Grundlagen fehlen weitgehend. Mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehenden Schularbeiten sieht die Pädagogin kaum Erfolgschancen und steht vor einem schwierigen Entscheidungsdilemma: Sollten diese Schüler ein drittes Mal in der Volksschule zurückbleiben?

Die Resignation der Lehrerin wächst: „Es ist ihnen egal, man bekommt nur zu hören, ‚habe nicht gelernt‘, Bildung ist für sie – so scheint es – nur eine unangenehme Pflicht.“ Häusliche Unterstützung beim Lernen fehlt häufig, da viele Eltern selbst nur geringe Deutschkenntnisse besitzen. In einem Fall ist der Vater Analphabet, wodurch der betroffene Schüler völlig auf sich allein gestellt ist.

Lösungsansätze

Als Gegenmaßnahme wurde die „Sommerschule“ eingeführt, die Schülern mit Deutschdefiziten helfen soll. In Wien sollen 10.000 Schüler verpflichtend während der großen Ferien lernen. Die Pädagogin bewertet diesen Ansatz grundsätzlich positiv, äußert jedoch Bedenken: „Dieses System ist gut, aber der Kurs dauert nur zwei Wochen. Wie soll eine Lehrperson den Schulstoff eines ganzen Jahres da nachholen?“

Die Lehrerin plädiert für eine andere Lösung: Sie befürwortet, höchstens zwei „Problemschüler“ pro Klasse zu unterrichten und sie auf verschiedene Schulen zu verteilen. „Das Kind hätte dann einen Anreiz sich dem höheren Niveau der restlichen Klasse anzupassen, mit diesem Gruppenzwang kann das funktionieren.“

„Man entlässt sie mit vielen Vierern im Zeugnis in die Mittelschule – dann hat man das Problem abgegeben!“

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KO KOSMO-Redaktion
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