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Bildungskrise

Trotz 3.500 Euro Babyprämie: 700 Schulen schließen

Trotz 3.500 Euro Babyprämie: 700 Schulen schließen
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Leere Klassenzimmer und verstummte Schulglocken: In Griechenland müssen Hunderte Schulen schließen, während Kinder teils 80 Kilometer pendeln, um Bildung zu erhalten.

In Griechenland bleiben zum Schuljahresbeginn zahlreiche Klassenräume leer. Die Regelung, dass mindestens 15 Schülerinnen und Schüler pro Klasse vorhanden sein müssen, führt landesweit zu Schulschließungen. In vielen Bildungseinrichtungen ertönt die sonst übliche morgendliche Schulglocke nicht mehr.

Das griechische Bildungsministerium verzeichnet einen drastischen Rückgang der Schülerzahlen auf etwa 1,2 Millionen – ein Minus von 150.000 Kindern binnen sieben Jahren. Besonders in ländlichen Gebieten und auf abgelegenen Inseln müssen Schulkinder inzwischen teilweise Strecken von bis zu 80 Kilometern täglich zurücklegen, um eine Bildungseinrichtung zu erreichen. Von den insgesamt 14.857 Schulen des Landes wurden nun 766 geschlossen, weil sie die erforderliche Mindestschülerzahl nicht erreichen konnten. Der Großteil der betroffenen Einrichtungen sind Grundschulen, wobei sich der Trend auf allen Bildungsstufen fortsetzt. Die demografische Entwicklung zeigt: Je jünger die Altersgruppe, desto stärker der Rückgang.

Besonders dramatisch zeigt sich die Situation in den Regionen Ostmakedonien und Thrakien, Zentralmakedonien sowie Thessalien: Hier wurden zusammen 385 Schulen geschlossen – mehr als die Hälfte aller diesjährigen Schließungen. Aber auch im Großraum Athen blieben zum aktuellen Schulstart 77 Bildungseinrichtungen zu, darunter 40 Vorschulen und 23 Grundschulen. Allein in den Grundschulen ist die Schülerzahl seit 2018 um über 111.000 Kinder gesunken. Das Bildungsministerium spricht angesichts dieser akuten demografischen Entwicklung von einer Situation, die einem „Armageddon“ nahekomme.

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Demografische Krise

Der demografische Abwärtstrend verstärkt sich kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden in Griechenland nur knapp 70.000 Kinder geboren – der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1932. Gleichzeitig verstarben fast doppelt so viele Menschen. Diese Entwicklung führt zu einem allgemeinen Bevölkerungsrückgang, der durch eine erhebliche Abwanderungswelle noch verschärft wird.

Die demografische Krise begann während der griechischen Schuldenkrise in den 2010er Jahren. Seit 2011 übersteigt die Sterberate kontinuierlich die Geburtenrate. Zwischen den Volkszählungen 2001 und 2021 sank die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter um fast ein Drittel.

Staatliche Gegenmaßnahmen

Die Regierung in Athen hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den demografischen Abwärtstrend umzukehren – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Mütter erhalten für jedes Neugeborene ein großzügiges Geburtsgeld zwischen 2.400 und 3.500 Euro. Zusätzlich hat die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mitsotakis Steuererleichterungen für Familien mit Kindern eingeführt.

Doch neben der gesunkenen Zahl potenzieller Eltern belasten weitere strukturelle Probleme die demografische Entwicklung des Landes. Die Kosten für Kindererziehung sind erheblich gestiegen, während das Angebot an Kindergarten- und Krippenplätzen nach wie vor unzureichend ist. Zudem ist die Kaufkraft der griechischen Bevölkerung auf den vorletzten Platz in der Europäischen Union gesunken – nur Bulgarien liegt noch dahinter. Die akute Wohnungsnot verschärft die Situation zusätzlich.

Die sinkenden Geburtenraten sind allerdings ein europaweites Phänomen. Für 2024 meldeten zahlreiche europäische Länder historische Tiefststände bei den Geburtenraten, darunter Frankreich, Italien und Finnland. Auch in Österreich ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau mit 1,31 auf ein historisches Minimum gesunken. Laut Statistik Austria verzeichnete das Land zum fünften Mal in Folge ein Geburtendefizit: 76.873 Neugeborenen standen 87.407 Verstorbene gegenüber.

Die unvermeidliche Konsequenz: Das Schulsterben in Griechenland wird sich fortsetzen.

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KO KOSMO-Redaktion
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