Ein provokantes Bild Grönlands in US-Farben mit dem Schriftzug „Bald“ sorgt für diplomatische Spannungen zwischen Washington und Kopenhagen.
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela hat eine provokante Social-Media-Aktion für diplomatische Verstimmungen zwischen Washington und Kopenhagen gesorgt. Katie Miller, Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus Stephen Miller, veröffentlichte auf der Plattform X ein Bild, das Grönland in den Farben der amerikanischen Flagge zeigt, versehen mit dem Schriftzug „Bald“. Diese Darstellung löste am Sonntag eine prompte Reaktion der dänischen Regierung aus.
In den vergangenen Monaten hatte US-Präsident Donald Trump mehrfach öffentlich Interesse an einer amerikanischen Übernahme Grönlands bekundet und dabei auch militärische Optionen nicht ausgeschlossen. Für zusätzliche Spannungen sorgte zuletzt die Ernennung eines US-Sondergesandten für die größtenteils autonome Insel, was sowohl in Grönland selbst als auch in Dänemark und bei europäischen Partnern auf scharfe Kritik stieß.
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Der dänische Botschafter in Washington, Jesper Möller Sörensen, reagierte unmittelbar auf Millers Beitrag und betonte, sein Land bestehe auf „uneingeschränkter Achtung der territorialen Integrität“ Dänemarks. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung der Bündnisbeziehungen: Dänemark und die USA seien „enge Verbündete und müssen als solche weiterhin zusammenarbeiten“.
Angespannte Weltlage
Der Vorfall ereignet sich in einem angespannten internationalen Umfeld. Erst am Samstag hatten US-Spezialkräfte in einer überraschenden Militäraktion den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores festgenommen. Maduro befindet sich inzwischen in New York in Haft und soll dort wegen Vorwürfen des „Drogenterrorismus“ vor Gericht gestellt werden.
Trump begründet sein Interesse an Grönland vorwiegend mit sicherheitspolitischen Erwägungen und verweist dabei auf angebliche Aktivitäten Russlands und Chinas in der Region. Die Insel gehört zwar zum Königreich Dänemark, verfügt jedoch über weitreichende Autonomierechte.
Strategische Bedeutung
Grönland, die flächenmäßig größte Insel der Welt, liegt strategisch bedeutsam zwischen Nordamerika und Europa im Nordatlantik und Arktischen Ozean. Die geografische Position ist militärisch relevant, da die Insel auf einer möglichen Flugbahn für Interkontinentalraketen zwischen Russland und den USA liegt. Zudem verfügt Grönland über erhebliche, bislang kaum erschlossene Rohstoffvorkommen.
Mit dem klimabedingten Rückgang des Polareises haben sich neue Schifffahrtsrouten eröffnet, was das strategische Interesse der Großmächte USA, China und Russland an der arktischen Region in jüngster Zeit deutlich verstärkt hat.
Als Ehefrau eines der einflussreichsten Berater im engsten Umfeld des US-Präsidenten wird ihrem Beitrag besondere politische Bedeutung beigemessen.