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DRAMATISCHE LAGE

Viele sehen Gewalt weiterhin als Bestandteil der Kindererziehung

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(FOTO: iStock)

Obwohl Österreich als kinderfreundliches Land gilt, sind nur 56 Prozent von einer gewaltfreien Erziehung überzeugt. Rund ein Fünftel ist bereit seine Kinder bei Bedarf körperlich zu züchtigen.

Vor allem die Quarantäne-Situation verschlechtert die Situation vieler Familien, weshalb es häufiger zu Gewaltausbrüchen gegenüber Kindern kommt. „Auch Personen, die grundsätzlich die gewaltfreie Erziehung als ideal sehen, sagen zu einem großen Teil, dass leichte körperliche Bestrafung durchaus ein Thema ist“, so Studienautorin Gabriele Reithner, die am Mittwoch eine Umfrage der Möwe Kinderschutzzentren vorstellte.

Wie wien.orf berichtete, soll das Problem zum Teil darin liegen, dass viele Misshandlungen nicht als gewaltvoll eingestuft oder als notwendig beurteilt werden. 94 Prozent der Befragten stuften es als gewaltsam ein, das Kind mit einem Gegenstand zu schlagen, 92 Prozent das Verprügeln, 49 Prozent sahen eine leichte Ohrfeige als Gewalt an und 37 Prozent gaben an, dass ein Klaps auf den Po eine Form der Misshandlung sei.

„Wir haben noch echt viel Luft nach oben in der Praxis“, erklärte Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Möwe. Nun sollen die neuen Mutter-Kind-Pässe die gewaltfreie Erziehung fördern und auch eine verpflichtende Schulung für werdende Eltern ist geplant.

Auch psychische Gewalt wird oft nicht erkannt. Rund ein Viertel der Eltern sehen Beschimpfungen oder Demütigungen nicht als Misshandlung an. „Es ist nachgewiesen, dass Gewalt und Traumatisierung in der Kindheit mit einer höheren Möglichkeit an psychosomatischen Erkrankungen einhergeht“, Jutta Falger, Leiterin der Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf.

Viele Kinder versuchen sich daher selbstständig Hilfe zu suchen. Auch sie bestätigte einen Zuwachs der körperlichen Züchtigung während der Pandemie.

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