Mit 34 Jahren blickt Riyad Mahrez auf seine letzte WM – und Algeriens Fußballer kehren nach zwölf Jahren Abstinenz auf die größte Bühne zurück.
Riyad Mahrez nimmt sein Karriereende mit Humor. „Das wird meine letzte WM – ich bin ja nicht Cristiano Ronaldo“, scherzt der 34-jährige Aushängeschild des algerischen Fußballs. Der Offensivkünstler verspricht dennoch vollen Einsatz, um sein Land bei der Weltmeisterschaft würdig zu vertreten. Für die als „Wüstenfüchse“ bekannten Algerier bedeutet die Rückkehr auf die WM-Bühne nach zwölfjähriger Abstinenz einen besonderen Moment. Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune bringt die nationale Bedeutung auf den Punkt: „Wir sind sehr glücklich über die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Diese Mannschaft hat dem gesamten algerischen Volk viel Freude bereitet – und es schon jetzt stolz gemacht.“
Historische WM-Erfolge
Die Nordafrikaner haben bei Weltmeisterschaften bereits für Furore gesorgt. Bei ihrer Premiere 1982 in Spanien gelang ihnen ein historischer 2:1-Coup gegen die deutsche Nationalmannschaft – damals die erste WM-Sensation eines afrikanischen Teams gegen eine europäische Großmacht. Trotz eines weiteren Sieges gegen Chile und einer Niederlage gegen Österreich mussten die Algerier aufgrund der schlechteren Tordifferenz die Heimreise antreten. Diese Konstellation führte zur berüchtigten „Schande von Gijon“ und bewirkte eine fundamentale Regeländerung: Seither werden die finalen Gruppenspiele stets zeitgleich ausgetragen.
Ihren bislang größten WM-Erfolg feierten die Wüstenfüchse 2014 mit dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale. Mahrez, der zwei Jahre später mit Leicester City sensationell die englische Meisterschaft gewann, gehörte schon damals zum Kader. Besonders in Erinnerung blieb der beherzte Auftritt gegen Deutschland, als Algerien bis zur letzten Spielminute auf Augenhöhe agierte und sich den inoffiziellen Titel „Sieger der Herzen“ verdiente.
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Team mit Charakter
Für zusätzliche Sympathiepunkte sorgte Torjäger Islam Slimani mit der Ankündigung, dass das Team seine WM-Prämien an die Bevölkerung im Gaza-Streifen spenden werde: „Diese Leute brauchen das Geld mehr als wir!“ Trotz des Afrika-Cup-Triumphes 2019 und solcher Erfolgsgeschichten bleibt das Team, auch als „die Grünen“ bekannt, in Teilen der Heimat umstritten – radikale sunnitische Geistliche betrachten Fußball nach wie vor als gottloses Spiel.
Teamchef Vladimir Petkovic blickt der Herausforderung optimistisch entgegen. „Wir wollen eine gute Figur abgeben“, erklärt der 62-jährige Bosnier, der zuvor die Schweizer Nationalmannschaft betreute. „Meine Jungs haben durchaus viel Potenzial, sind hungrig und brennen auf das Turnier.“
Die Vorfreude ist nicht nur bei der sportlichen Leitung, sondern auch auf höchster Ebene spürbar – allen voran bei Aushängeschild Mahrez.