Während die Welt auf den Iran schaut, zieht China im Südchinesischen Meer leise die Schlinge zu – mit globalen Folgen.
Im Südchinesischen Meer verdichtet sich die Lage rund um das strategisch bedeutsame Scarborough-Riff zusehends. Satellitenaufnahmen belegen, dass China Schiffe sowie eine schwimmende Barriere positioniert hat, um den Zugang zu dem Atoll zu blockieren. Philippinische Küstenwache-Sprecher Jay Tarriela erklärte, dass China am 10. und 11. April 2026 eine 352 Meter lange schwimmende Barriere am Eingang des Scarborough-Riffs installiert habe. Das Riff liegt rund 220 Kilometer westlich der philippinischen Insel Luzon – ein Gebiet, auf das sowohl Manila als auch Peking Anspruch erheben, da es in einer wirtschaftlich bedeutenden Fischerei- und Handelszone liegt.
Geopolitik-Experte Prof. Klemens Fischer (61, Universität Köln) warnt in BILD: „Während die Welt gebannt auf die Straße von Hormus und die Doppelblockade durch den Iran und die USA blickt, beginnt China rund 3700 Seemeilen entfernt im Südchinesischen Meer ebenfalls eine Seeblockade zu errichten.“ Für die Philippinen stellt das Vorgehen eine offene Provokation dar: Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden philippinische Boote zuletzt wiederholt von chinesischen Einheiten abgedrängt – obwohl Manila das Riff als Teil seiner Wirtschaftszone betrachtet, ein Anspruch, den Peking seit Jahren konsequent ignoriert.
Globale Handelsroute
Das Ausmaß des chinesischen Manövers gehe weit über die aktuelle Situation in der Straße von Hormus hinaus, betont Fischer. Er erklärt: „Durch die Südchinesische See wird jährlich rund ein Drittel des weltweiten Seehandels durchgeschleust, also Waren im Wert von circa 3,3 Billionen US-Dollar. Sieben Anrainerstaaten kämpfen in neun unterschiedlichen Zonen um den alleinigen Anspruch, China ist in praktisch jeden Konflikt verwickelt und schafft jetzt im Scarborough-Riff offenbar Fakten.“
Europas Preisrisiko
Die wirtschaftlichen Konsequenzen einer vollständigen Abriegelung wären auch in Europa und Deutschland spürbar. Fischer warnt: „Alleine diese Verunsicherung ist geeignet, die Versicherungsprämien für Schiff und Ladung anzuheben und damit die Transportkosten, die sich in den Endverbraucherpreisen niederschlagen, nach oben zu treiben.“ Im Klartext: Ein breites Spektrum an Konsumgütern könnte sich merklich verteuern.
Das Atoll könnte sich als Präzedenzfall erweisen – als Test dafür, wie weit China mit derartigen Sperrmaßnahmen kommt, ohne auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Gelingt Peking das Manöver, könnte der Appetit auf weitere Kontrolle über wichtige Seewege wachsen. Prof. Fischer zieht ein düsteres Fazit: „Wenn das Sperren von Seewegen, die für die Weltwirtschaft lebensnotwendig sind, zum Sport der Großmächte wird, sind die Europäer diejenigen, die die Zeche bezahlen, ohne in der Lage zu sein, zu intervenieren.“