Mit weißen Rosen und stiller Trauer begann es, mit lauten Rücktrittsforderungen endete es: Tausende Serben verwandelten ihr Gedenken in einen Protest gegen Präsident Vucic.
Zehntausende Serben zogen am Montag in einem stillen Gedenkmarsch durch Belgrad, um der 16 Todesopfer zu gedenken, die beim Einsturz eines Bahnhofsdachs ums Leben kamen. Die Demonstration, bei der sechzehn Gymnasiasten mit weißen Rosen über den Savski Trg schritten, während die Namen der Verstorbenen verlesen wurden, mündete in deutliche politische Forderungen nach Neuwahlen.
Die Protestbewegung gegen Präsident Aleksandar Vucic hält seit dem verheerenden Dacheinsturz in Novi Sad unvermindert an. Die Demonstranten sehen in weitverbreiteter Korruption die Hauptursache für die Katastrophe und verlangen vorgezogene Wahlen mit dem Ziel, Vucic und seine Regierungspartei aus dem Amt zu drängen. Parallel fanden auch in weiteren serbischen Städten wie Novi Sad, Kragujevac und Aleksinac Kundgebungen statt.
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Tragödie als Wendepunkt
Das Unglück ereignete sich am 1. November 2024, als das erst wenige Monate zuvor renovierte Vordach des Hauptbahnhofs von Novi Sad während des starken Wochenendverkehrs einstürzte. Unter den 16 Todesopfern befand sich auch ein fünfjähriges Mädchen. Das Ausmaß der Katastrophe und Verdachtsmomente bezüglich der Bauausführung führten dazu, dass die serbische Staatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung Anfang 2025 Ermittlungen einleitete, nachdem Indizien für Korruption im Zusammenhang mit dem Bauprojekt bekannt wurden.
Landesweiter Widerstand
„Korruption ist die Wurzel aller Probleme in unserer Gesellschaft. Wahlen können die einzige Lösung für diese Situation sein„, erklärte der 35-jährige Wissenschaftler Srdjan, der sich an den Protesten beteiligte. Die seit dem Unglück im vergangenen November andauernden landesweiten Demonstrationen haben Vucic und seine SNS-Partei (Serbische Fortschrittspartei) spürbar unter Druck gesetzt.
Studentenverbände, Oppositionsgruppen und Antikorruptionsaktivisten werfen dem Präsidenten und seinem Umfeld Verbindungen zur organisierten Kriminalität sowie die Unterdrückung der Pressefreiheit vor – Anschuldigungen, die Vucic zurückweist. Der Präsident lehnt Neuwahlen bislang strikt ab und hält an seinem Kurs fest, obwohl die Proteste seit Monaten nicht abebben. Bei einigen Demonstrationen kam es bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden, was die angespannte politische Lage in dem Balkanland weiter verschärft.