Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Doch während zahlreiche europäische Länder den Tabakkonsum in den vergangenen Jahrzehnten spürbar zurückgedrängt haben, stechen Österreich sowie mehrere Balkanstaaten im kontinentalen Vergleich nach wie vor hervor. Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien machen deutlich: Rauchen ist dort nicht allein ein gesundheitliches Problem, sondern ein tief in den Alltag eingeschriebenes kulturelles Phänomen.
Zwar ist der Tabakkonsum in Europa insgesamt rückläufig, doch das Tempo des Wandels bleibt hinter den Erwartungen von Gesundheitsexperten zurück. Nach Angaben der WHO ist die europäische Region weltweit nach wie vor jene mit der höchsten Tabakprävalenz. Zwischen 2000 und 2024 sank der Anteil der Tabakkonsumenten in der WHO-Region Europa von 34,9 auf 24,1 Prozent – ein Fortschritt, der jedoch als unzureichend gilt. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Jugendlichen, wo die Nutzung von E-Zigaretten und neuartigen Nikotinprodukten zunimmt.
Balkan im Fokus
Der Blick auf Österreich und den Balkan offenbart, wie unterschiedlich Europa beim Thema Rauchen aufgestellt ist. Während Schweden und die Niederlande zu den Ländern mit den geringsten Raucherquoten zählen, liegen Südosteuropa und Teile Mitteleuropas nach wie vor deutlich über dem EU-Durchschnitt.
Besonders ins Auge fällt Kroatien: Laut einem aktuellen Bericht rauchen dort knapp 40 Prozent der Erwachsenen und das Land belegt damit den dritten Platz innerhalb der EU. Als wesentliche Ursachen werden ein unzureichend ausgebautes Unterstützungssystem für Aufhörwillige, eine mangelhafte Regulierung neuer Nikotinprodukte sowie fehlende systematische Präventionsmaßnahmen angeführt. Eurobarometer- und Eurostat-Daten bestätigen, dass Kroatien europäischen Auswertungen zufolge ebenfalls über 35 Prozent lag, während Bulgarien mit 37 Prozent und Griechenland mit 36 Prozent die EU-Rangliste anführen.
Noch markanter stellt sich die Situation in Bosnien und Herzegowina dar. Dem Global State of Tobacco Harm Reduction zufolge gab es dort 2024 rund 939.000 erwachsene Raucherinnen und Raucher, was einer Prävalenz von 35,3 Prozent entspricht – bei Männern liegt dieser Wert bei 42,2 Prozent, bei Frauen bei 29,1 Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass Rauchen in Bosnien und Herzegowina weit über ein individuelles Verhalten hinausgeht: Es ist eng mit der Kaffeehauskultur, dem sozialen Miteinander, Familienfeiern und der Gastronomie verwoben.
Auch Serbien bleibt ein Land mit hohem Tabakkonsum. Laut N1 und dem Portal Filternativa raucht jeder dritte volljährige Bürger des Landes; zudem sterben jährlich rund 19.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Tabakrauchs. Damit fügt sich Serbien in ein regionales Muster ein, das durch hohe Verfügbarkeit, ausgeprägte soziale Akzeptanz und schwächer entwickelte Präventionsstrukturen geprägt ist.
Österreichs Sonderweg
Österreich schneidet im Vergleich zu den Spitzenreitern auf dem Balkan besser ab, bleibt aber hinter vielen westeuropäischen Ländern zurück. Im aktuellen Länderprofil „State of Health in the EU“ wird festgehalten, dass 21 Prozent der österreichischen Erwachsenen täglich rauchen – ein Wert, der über dem EU-Durchschnitt bei der täglichen Raucherprävalenz liegt. Darüber hinaus wird geschätzt, dass Rauchen für 16 Prozent aller Todesfälle in Österreich mitverantwortlich ist und 2,3 Prozent der laufenden Gesundheitsausgaben verursacht.
Der österreichische Fall ist insofern bemerkenswert, als das Land lange als Nachzügler bei der Einführung von Rauchverboten galt. Während in vielen anderen europäischen Staaten strikte Nichtraucherschutzregelungen bereits früh zur Normalität wurden, blieb Rauchen in Teilen der österreichischen Gastronomie länger präsent und gesellschaftlich toleriert.
Ein direkter Ländervergleich gestaltet sich nicht ganz unkompliziert, da verschiedene Quellen teils unterschiedliche Definitionen zugrunde legen – gemessen wird je nach Erhebung tägliches Rauchen, aktueller Tabakkonsum oder ausschließlich klassische Tabakprodukte ohne Einbeziehung von E-Zigaretten. Die Weltbank definiert „current tobacco use“ als täglichen oder gelegentlichen Gebrauch von Tabakprodukten bei Personen ab 15 Jahren, wobei nikotinhaltige E-Zigaretten ohne Tabak nicht erfasst werden. Dennoch ergibt sich ein eindeutiges Bild: Kroatien kommt auf knapp 40 Prozent rauchende Erwachsene, Bosnien und Herzegowina weist eine Prävalenz von 35,3 Prozent aus, in Serbien raucht rund jeder dritte Erwachsene, während am anderen Ende der Skala Schweden mit 8 Prozent und die Niederlande mit 11 Prozent stehen.