Handschellen, Blicke, ein Usher-Song – die Kapo Schwyz wollte Humor zeigen. Das Netz reagiert gespalten.
Ein Video der Kantonspolizei Schwyz, das Szenen aus dem Polizeialltag mit doppeldeutigen Anspielungen auf Dating-Klischees verknüpft, sorgt in den sozialen Medien für rege Diskussionen – und spaltet die Nutzerinnen und Nutzer in zwei Lager.
«Wenn er nicht für dich da ist … wir sind es.» Unter diesem Motto veröffentlichte die Kantonspolizei Schwyz kürzlich einen Clip auf Instagram und TikTok. Das Video inszeniert alltägliche Polizeisituationen als romantisch aufgeladene Szenen: Ein Beamter legt einer Frau Handschellen an – dazu erscheint der Text: «Wenn er dir keinen Schmuck anlegt … ich tus!»
In einer anderen Einstellung läuft derselbe Polizist einer Frau hinterher, begleitet von der Zeile: «Wenn er dir nicht hinterherläuft … ich tus.» Zuvor blickt er ihr intensiv in die Augen – auch diese Szene ist als romantische Umdeutung einer Dienstsituation angelegt. Als musikalische Untermalung dient der Song «Hey Daddy (Daddy’s Home)» von Usher. Bis dato wurde der Beitrag rund 20.000-mal mit einem Like versehen und zog mehr als 500 Kommentare auf sich.
Geteilte Reaktionen
Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer zeigen sich begeistert und loben die Umsetzung als kreativ und unterhaltsam. «Danke für den Lacher», schreibt eine Person. Andere bezeichnen den Clip als «geilste Werbung seit langem» oder heben den Humor der Kapo Schwyz hervor. Eine Userin spricht sich sogar für eine Gehaltserhöhung des Marketingteams aus.
Daneben formiert sich jedoch auch deutlicher Widerspruch. Vereinzelt wird der Einsatz von Steuergeldern für Social-Media-Produktionen dieser Art in Frage gestellt. Der Großteil der kritischen Reaktionen richtet sich aber gegen den Inhalt selbst: Der Clip wird als «fragwürdig und absolut lächerlich», «geschmacklos» oder «misogyn», also frauenverachtend, eingestuft.
Kopie ohne Credits
Darüber hinaus machen mehrere Userinnen und User darauf aufmerksam, dass ein nahezu deckungsgleiches Video kurz zuvor von der Polizei Brandenburg veröffentlicht worden sei. Tatsächlich weisen beide Clips weitreichende Übereinstimmungen auf – nicht nur bei einzelnen Motiven wie dem Anlegen von Handschellen oder dem Fotografieren, sondern auch hinsichtlich der Aufnahmen, der Musik und der Texteinblender. Einen Hinweis auf die Vorlage enthält der Beitrag der Kantonspolizei Schwyz nicht.
Auf Instagram bezog die Kantonspolizei Stellung zu den Reaktionen. Das Video sei mit «einem humorvollen Ansatz» entstanden, man habe «mit einem Augenzwinkern auf den Polizeialltag aufmerksam machen» wollen. Gegenüber 20 Minuten erklärte die Behörde, es handle sich um die Umsetzung eines derzeit verbreiteten Social-Media-Formats, das von verschiedenen Polizeiorganisationen eingesetzt werde. Ziel sei es gewesen, einen zeitgemäßen Zugang zum Polizeiberuf zu vermitteln und dabei vor allem jüngere Zielgruppen zu erreichen.
Zugleich betont Sprecher Romas Gisler, dass ein respektvoller und professioneller Auftritt in der Kommunikation für die Polizei einen hohen Stellenwert habe. «Wir respektieren auch die negativen Rückmeldungen aus der Bevölkerung, nehmen diese ernst und prüfen solche Hinweise stets sorgfältig.» Ein moderner Social-Media-Auftritt sei ein wichtiger Bestandteil der heutigen Öffentlichkeitsarbeit. «Entsprechend freut es uns, dass der Beitrag von einem Grossteil der Nutzerinnen und Nutzer positiv aufgenommen wurde.»