Wien: Nach Nazis benannte Straßen zieren immer noch das Stadtbild

NAMENSGEBER

Wien: Nach Nazis benannte Straßen zieren immer noch das Stadtbild

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Wien-Staßen-Nazinamen
(FOTO: Pixabay/Jarmoluk, Wikimedia Commons/Buchhändler)

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Anfang Juli 2013 präsentierte der Zeitgeschichtler Oliver Rathkolb eine zweijährige Studie über „Wiener Straßennamen als politische Erinnerungsnote“. Diese hat 159 kritische Benennungen gefunden, deren Namensgeber unter anderem Antisemiten oder „dem Nationalsozialismus politisch zu nahe gekommene“ Personen sind. Warum diese Namen immer noch stehen, ist nicht bekannt.

Paula Wessely (Weg im 19. Bezirk) wirkte im NS-Propagandafilm „Heimkehr“, Dirigent Herbert von Karajan (Platz im 1. Bezirk) war NSDAP-Mitglied, Opernsänger Josef von Mandowara (Gasse im 23. Bezirk) war sehr beliebt bei Hitler und Göring und Komponist Hans Pfitzner (Gasse sowie Brücke im 23. Bezirk) verharmloste die NS-Verbrechen – das sind nur einige von vielen umstrittenen Personen, die als Namensgeber für Straßen in der österreichischen Hauptstadt dienen.

SPÖ-Kulturstadtrat lehnte Umbenennung ab
In den letzten Jahren wurden auch andere Verkehrsflächen nach ehemaligen Nazis benannt, u.a. auch der Clarplatz nach dem Geologen Eberhard Clar. Warum diese Namen gewählt wurden und die Stadt nicht auf die Studie reagiert hat, ist fraglich. Der damalige Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) sprach sich gegen Umbenennungen aus.

Gegenüber dem „Kurier“ sagte das Kulturamt, dass sie Zusatztafeln für die am stärksten belasteten 28 Verkehrsflächen initiiert hätten. Vor drei Jahren hat die Stadt die ersten 14 Zusatztafeln montiert, die restlichen Tafeln werden bis zum Sommer dieses Jahres aufgehängt.

Als Beispiel einer Zusatztafel dient der Dr. Karl-Lueger-Platz. Man erfährt, dass Lueger Gründer der Christlich-Sozialen-Partei sowie Bürgermeister Wiens war, aber auch, dass er „wegen seines „populistischen Antisemitismus kritisch bewertet werden muss“.

Ebenso wird diese Art der Zusatztafeln nur einmal pro Straße angebracht, ungeachtet dessen, wie lang die Straße ist und über wie viele Schilder sie ingesamt verfügt.

Bewohner kleben eigene Straßenschilder
BewohnerInnen der Stelzhamergasse, die nach dem Lyriker Franz Stelzhamer genannt wurde, sind aufgrund der antisemitischen Texte des Dichters nicht mit dem Namen der Gasse einverstanden. Jemand klebte „Mare-Jonio-Gasse“ über das Straßenschild. „Mare Jonio“ ist ein NGO-Schiff, welches Flüchtlinge vor der Küste Libyens retten will.

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