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Versorgungskrise

Wiener Ärzte weisen Patienten ab – Wartezeiten explodieren

Wiener Ärzte weisen Patienten ab – Wartezeiten explodieren
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4 Min. Lesezeit |

Zu lange Wartezeiten, überlastete Strukturen, verzweifelte Patienten – Wiens Gesundheitssystem steht unter massivem Druck.

Die Lage im Wiener Gesundheits- und Pflegesystem bleibt nach wie vor belastet. Anlässlich einer Pressekonferenz zum Tätigkeitsbericht 2025 der Wiener Pflege- und Patient:innenanwaltschaft (WPPA) richtete Patientenanwalt Gerhard Jelinek deutliche Kritik an mehreren Bereichen. Für das Jahr 2025 verzeichnete die Einrichtung insgesamt rund 8.700 Kontakte – ein leichter Rückgang gegenüber den rund 9.000 Kontakten des Vorjahres.

Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der angelegten Akte. „Die Zahl der telefonischen Anfragen sinkt zwar, aber dort, wo ernste Probleme auftauchen, steigt die Arbeitsbelastung. Dieser Trend setzt sich auch 2026 fort“, so Jelinek.

Kassenstellen & Wartezeiten

Als eines der drängendsten Probleme nennt Jelinek die Versorgungslage im niedergelassenen Bereich. Sowohl bei Allgemeinmedizinern als auch bei Fachärzten fehle es nach wie vor an ausreichend Kassenstellen. „Die Wartezeiten sind zu lang und Patienten gezwungen, auf teure Wahlärzte auszuweichen. Es herrscht hier ein schweres Ungleichgewicht. Patienten zahlen sich immer mehr selbst, mit einem solidarischen Gesundheitssystem hat das nichts mehr zu tun.“

Die Belastung im Kassenbereich ist messbar: Laut Ärztekammer Wien stieg die Anzahl der Patienten pro Kassenarzt für Allgemeinmedizin von 2.200 im Jahr 2013 auf 3.100 im Jahr 2025 – ein Anstieg um über 40 Prozent.

Die finanziellen Konsequenzen für Betroffene seien erheblich: „Von der Sozialversicherung bekommen die Patienten nur einen Bruchteil des Honorars rückvergütet. Die ÖGK zahlt zum Beispiel nur 80 Prozent der Kassenleistung. Für die Sozialversicherung selbst fallen daher weniger Kosten an als für eine kassenärztliche Behandlung.“

Darüber hinaus thematisiert Jelinek die teils massiven Wartezeiten auf Operationstermine. „Bei OP-Terminen kommt es für Wienerinnen und Wiener zu teils exorbitanten Wartezeiten. Hier hat sich in der jüngeren Vergangenheit vor allem der HNO-Bereich mit Wartezeiten von gut einem Jahr, zum Teil sogar zwei Jahren, negativ entwickelt. Selbst bei Kindern!“ Betroffen seien außerdem die Urologie, die Augenheilkunde sowie die Orthopädie. Bei neurologischen Kassenpraxen liegt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin laut Ärztekammer bei 45 Tagen.

Vereinzelt seien auch im Bereich der Krebsbehandlung Beschwerden eingegangen: „Uns wurden etwa oberflächliche Untersuchungen gemeldet, die dazu führten, dass Tumore nicht rechtzeitig erkannt wurden. Zudem wurden onkologische Eingriffe verschoben oder es gab eine längere Wartezeit.“

Besonders besorgniserregend sei die Situation für Kinder und Jugendliche. „Das Angebot an Diagnostik und Therapien auf Kasse für Kinder mit Entwicklungsstörungen ist katastrophal.“ Was die Diagnose Autismus betrifft, haben wir alarmierende Berichte erhalten. Nur ein geringer Teil kann mit einer Kassen-Behandlung rechnen.“ Auch die psychiatrische Versorgung – sowohl stationär als auch ambulant – bezeichnete Jelinek als unverändert kritisch: „Patienten, die einen stationären Aufenthalt benötigen, werden abgewiesen oder stationäre Patienten zu früh entlassen. Dazu kommt, dass es im niedergelassenen Bereich viel zu wenig Angebot gibt.“

Scharf kritisiert der Patientenanwalt zudem die Versorgungssituation für Menschen mit postviralen Erkrankungen wie Long Covid oder ME/CFS (chronisches Erschöpfungssyndrom). Die stationären Behandlungsangebote seien deutlich reduziert worden, im niedergelassenen Bereich stünden kaum Spezialisten zur Verfügung – und wenn, dann vorwiegend auf Wahlarztbasis. „Immer öfter kommt es vor, dass betroffene Patienten in dieser Situation nur mehr den Ausweg des Suizids sehen.“

Pflege & Schadenersatz

Auch im Pflegebereich häufen sich die Probleme. Sorge bereiten eine lückenhafte Datenlage zu Demenzerkrankungen sowie die mangelnde ärztliche Präsenz in Wohn- und Pflegeheimen. „Immer weniger Häuser verfügen über eine ständige ärztliche Betreuung vor Ort.“ Zusätzlich verschärfe sich der Personalmangel.

Kritisch äußert sich Jelinek auch zu den Auswirkungen des Konflikts zwischen Wien und Niederösterreich auf sogenannte Gastpatienten. „Diese sind besonders von unzumutbar langen und intransparent gehandhabten Wartezeiten betroffen. Sie haben keinerlei Verständnis für die politischen Konflikte zwischen Wien und Niederösterreich und überschwemmen daher die Patientenanwaltschaften beider Bundesländer seit rund eineinhalb Jahren mit Beschwerden.“

Im Berichtszeitraum konnte die WPPA für rund 100 bis 120 Geschädigte insgesamt etwa drei Millionen Euro an Schadenersatzzahlungen erwirken. Die höchsten Einzelbeträge lagen bei rund 50.000 Euro. Die Leistungen wurden entweder über Haftpflichtversicherungen oder den Patientenentschädigungsfonds erbracht.

Jelinek wies darauf hin, dass die Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber Haftpflichtversicherungen zunehmend schwieriger werde.

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KO KOSMO-Redaktion
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