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Heimaturlaub

„Wir fahren runter!“ – Die schönsten Kindheitserinnerungen an Ferien am Balkan

„Wir fahren runter!“ – Die schönsten Kindheitserinnerungen an Ferien am Balkan
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Unsere Sommer waren anders: Wenn drei Wochen Balkan sich wie ein ganzes Jahr anfühlten

Für viele Kinder der Diaspora bedeuteten die Sommerferien nicht nur Urlaub, sondern Heimfahrt. Dorfstraße statt Spielplatz, Cousins statt Ferienlager und ein Kühlschrank bei Oma, der scheinbar niemals leer wurde.

Es war jedes Jahr dasselbe. Wochenlang wurde geplant, eingekauft, gepackt und darüber diskutiert, was unbedingt mitmusste. Irgendwann war das Auto so voll, dass man sich fragte, ob eigentlich noch Platz für die Familie war. Und trotzdem hieß es kurz vor der Abfahrt: „Da geht noch was rein.“

Dann begann die Reise Richtung Balkan.

Für Kinder aus der Diaspora war diese Fahrt oft der eigentliche Start der Sommerferien. Man kannte die Strecke irgendwann auswendig, wusste, wann die nächste Pause kam und hörte irgendwann auf zu fragen: „Wie lange noch?“ Und dann war man plötzlich da.

Der Sommer bei Oma hatte seine eigenen Regeln

Bei Oma war man nie einfach nur zu Besuch. Man wurde versorgt. Frühstück, Mittagessen, Obst, Kuchen, Kaffee für die Erwachsenen – und dazwischen immer wieder die Frage: „Willst du noch etwas essen?“ Selbst wenn man gerade gegessen hatte, war die Antwort eigentlich schon vorher festgelegt: Man bekam trotzdem noch etwas.

Der Kühlschrank war gefühlt immer voll, die Nachbarn wussten innerhalb kürzester Zeit, dass die Kinder aus Österreich wieder da waren, und irgendein Cousin stand spätestens am nächsten Tag vor der Tür. Plötzlich war man Teil einer ganzen kleinen Welt.

Keine Animation, kein Programm – und trotzdem nie langweilig

Damals brauchte es keinen durchgeplanten Ferienkalender. Ein Ball, ein Fahrrad, ein paar Cousins und eine Straße reichten vollkommen aus. Man lief den ganzen Tag draußen herum, kam irgendwann verschwitzt nach Hause und wurde gefragt, warum man so dreckig sei. Am nächsten Morgen ging es trotzdem wieder hinaus.

Die Erwachsenen saßen lange vor dem Haus, tranken Kaffee und unterhielten sich, während die Kinder irgendwo zwischen Hof, Garten und Nachbarhaus verschwanden.

Und wenn jemand rief: „Ajde, kući!“, wusste man: Der Tag war vorbei.

Diese drei Wochen fühlten sich endlos an

Das vielleicht Schönste daran: Als Kind hatte man kein Gefühl dafür, wie schnell Zeit vergeht. Drei Wochen im Sommer fühlten sich wie Monate an. Man hatte genug Zeit, jeden Cousin zu sehen, jedes Eisgeschäft kennenzulernen, mindestens zehnmal dieselbe Straße entlangzulaufen und trotzdem das Gefühl zu haben, dass die Ferien gerade erst begonnen hatten.

Heute ist vieles anders. Die Reisen sind komfortabler, Smartphones gehören selbstverständlich dazu und aus dem früheren „Wir fahren einfach runter“ wird oft ein genau geplanter Urlaub.

Aber manche Dinge bleiben. Der Geruch von gegrilltem Essen am Abend. Das Geräusch von Stimmen im Hof. Die viel zu warme Luft in der Nacht. Das erste Frühstück nach der Ankunft. Und dieses besondere Gefühl, wenn man nach Monaten wieder vor dem Haus der Familie steht.

Vielleicht war der Balkan-Sommer deshalb so besonders

Es ging nie nur um Urlaub. Es ging darum, für ein paar Wochen in eine andere Welt einzutauchen. Eine Welt, in der man plötzlich zehn Cousins hatte, jeder Erwachsene irgendeinen Rat für einen bereithielt und man nie hungrig nach Hause gehen durfte. Viele dieser Sommer sind längst vorbei. Die Kinder von damals sind erwachsen geworden, haben eigene Wohnungen, Jobs und vielleicht sogar eigene Kinder.

Aber manchmal reicht ein bestimmter Geruch, ein Lied aus dem Autoradio oder ein Blick auf eine alte Sommeraufnahme und man ist wieder dort. Barfuß auf einer warmen Straße. Mit klebrigen Händen vom Eis. Und mit dem sicheren Gefühl, dass die Sommerferien noch ewig dauern würden.

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KO KOSMO-Redaktion
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