Kurz vor dem WM-Debüt macht Ralf Rangnick seine Zukunft offiziell – und setzt damit ein klares Zeichen.
Das Rätselraten hat ein Ende. Ralf Rangnick bleibt Teamchef des österreichischen Fußball-Nationalteams – und das bis zur Europameisterschaft 2028. ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll verkündete die Einigung am Samstag persönlich. „Es freut mich wirklich sehr, dass ich heute der Fußballöffentlichkeit und ganz Österreich mitteilen kann, dass wir seitens des ÖFB gemeinsam mit Ralf Rangnick übereingekommen sind, dass der Teamchef seine Karriere über die Weltmeisterschaft hinaus bis zur Europameisterschaft 2028 für Österreich weiter fortsetzen wird“, so Pröll.
Die Verlängerung kommt zu einem symbolisch aufgeladenen Zeitpunkt: unmittelbar vor dem WM-Auftakt gegen Jordanien. Pröll ließ keinen Zweifel daran, welche Bedeutung er dem Verbleib des Schwaben beimisst. „Österreich und Ralf Rangnick – das passt“, erklärte er.
Seit Rangnick im Mai 2022 das Erbe von Franco Foda angetreten hat, führte er das Team zur EM 2024 in Deutschland, wo Österreich erst im Achtelfinale die Segel streichen musste. Zuvor hatte Rangnicks Name in einer anderen Schlagzeile gestanden: als potenzieller Technischer Direktor beim AC Milan. Doch wenige Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel entschied sich der 67-Jährige gegen die Italianisierung seiner Karriere und für das Rot-Weiß-Rot.
Historische Bilanz
Was Rangnick mit diesem Team bereits erreicht hat, ist historisch. Die WM-Qualifikation für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko beendete eine 28-jährige Durststrecke – zuletzt stand Österreich 1998 in Frankreich bei einer Weltmeisterschaft auf dem Platz. Das entscheidende Ticket wurde im November in Wien gegen Bosnien gelöst, ein dramatisches 1:1, das reichte.
In der Qualifikationsgruppe ließ das ÖFB-Team Rumänien, Zypern und San Marino hinter sich. Die drei Vorbereitungspartien im Frühjahr gewann Rangnicks Auswahl allesamt. Vierzehn Heimspiele in Folge ohne Niederlage – das ist ÖFB-Rekord.
Gehalt & Sponsoren
Zur Verlängerung gehört auch eine deutliche Gehaltserhöhung. Rangnick soll künftig rund zwei Millionen Euro netto pro Jahr erhalten, erheblich mehr als bisher. Knapp die Hälfte davon tragen vier Sponsoren: Uniqa, Raiffeisen, Sporteo und Immounited.
Es ist nicht das erste Mal, dass Rangnick auf ein lukrativeres Angebot verzichtet. Bereits 2024 lehnte er kurz vor der Europameisterschaft einen Ruf des FC Bayern München ab. Pröll betonte, dass finanzielle Argumente allein nicht den Ausschlag gegeben hätten: „Klar ist, dass der ÖFB finanziell nicht mit internationalen Spitzenclubs konkurrieren kann. Es waren, und das möchte ich ausdrücklich betonen, auch andere Faktoren, die Ralf Rangnick überzeugt haben.“
Die Bilanz nach 45 Länderspielen spricht für sich: 27 Siege, acht Remis, zehn Niederlagen. Ein Punkteschnitt von 1,98 – der höchste aller ÖFB-Teamchefs seit 1945, die mindestens zehn Spiele auf dem Buckel haben. Den Auftakt bestreiten die Österreicher am Dienstag in der Nacht auf Mittwoch um 6.00 Uhr MESZ in Santa Clara, Kalifornien, gegen Jordanien, live in ORF1.
Danach folgen Titelverteidiger Argentinien und Algerien als weitere Gruppengegner.