Wo sind die Migranten unter den „Österreichern des Jahres“?

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Wo sind die Migranten unter den „Österreichern des Jahres“?

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Österreicher des Jahres
Wer wird der Österreicher des Jahres? (Foto: iStock)

Jährlich küren die Tageszeitung Die Presse und ORF den Österreicher des Jahres, der oder die sich in der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Humanität besonders verdient gemacht hat. Heuer sind 36 Menschen nominiert, lediglich zwei haben einen Migrationshintergrund.

Per Online Voting kann man den „Österreicher des Jahres“, der Großartiges in den Bereichen Wissenschaft, der Wirtschaft und der Humanität geleistet hat, wählen. Bis zum 5. Oktober kann man seine Stimme abgeben. Wirft man einen Blick auf die Liste fällt auf, dass unter den 36 Nominierten lediglich zwei Personen einen sogenannten Migrationshintergrund haben. In Österreich leben über 1.970.300 Menschen mit einer anderen Staatsangehörigkeit oder Menschen, deren beide Elternteile in einem anderen Land geboren wurden (Zahlen aus dem Jahr 2017). Der Migrantenanteil liegt bei 22,8 Prozent, in Wien sogar bei 43,9 Prozent.

Österreich ist kein Einwanderungsland
Dennoch ist Österreich offiziell keine Einwanderungsgesellschaft. Wie würde die Bevölkerungsstruktur Österreichs ohne Gastarbeiter- und Flüchtlingszuzug und ohne EU-Binneneinwanderung aussehen? Das Land hätte weniger Einwohner und die Bevölkerungszahl würde immer weiter schrumpfen. Sind die Migranten nur dazu da, um den Altersschnitt im Land zu senken? Im Parlament sitzen 183 Abgeordnete, davon haben sechs einen Migrationshintergrund. In Relation zum Migrantenanteil an der Gesamtbevölkerung bleibt der Anteil auf höheren politischen Ebenen gering. Migranten sind in der Politik Exoten. Im  Gegensatz zu Deutschland sind Menschen mit Migrationshintergrund hierzulande in den höheren Etagen der Arbeitnehmervertretungen kaum zu finden.

#MeTwo, aber nicht in Österreich
Die Rassismus-Vorwürfe im Fall Mesut Özil brachten in Deutschland eine neue Debatte ins Rollen. Zigtausende Menschen mit Migrationshintergrund schilderten unter dem Hashtag #MeTwo ihre Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag. Den Hashtag hat der Aktivist Ali Can ins Leben gerufen. Innerhalb von wenigen Tagen wurde es zum meistgeteilten Begriff in den deutschsprachigen sozialen Netzwerken. Zahlreiche Prominente und Politiker haben sich an der Diskussion beteiligt. Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas zeiget sich ebenfalls empört: „Wer glaubt, Rassismus in Deutschland sei kein Problem mehr, dem empfehle ich, sich sämtliche #MeTwo-Tweets durchzulesen. Es ist beeindruckend und schmerzhaft, wie viele Menschen hier ihre Stimme erheben“, erklärte Maas.

Augen zu und durch
„Erheben wir unsere Stimme mit ihnen: gegen Rassismus, jederzeit, überall“,  zitiert tagesschau.de. In Österreich blieben die Reaktionen der Politiker aus, obwohl der Hashtag auch hier zum Einsatz kam. Etliche Migranten posteten Beiträge über ihre Rassismus-Erfahrungen in der Schule oder am Arbeitsplatz. Werden hier die Augen ganz bewusst geschlossen? Warum werden diese Probleme unter der „ist nicht so schlimm“-Decke versteckt? Um auf den „Österreicher des Jahres“ zurück zukommen. Es kann nicht sein, dass es so schwer ist talentierte Menschen mit einem anderen Background zu finden und sie stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren. Als Österreicher. Das sichtbarmachen von Menschen mit ausländischen Namen, anderen Kleidungsstilen, unterschiedlichen Bräuchen, Religionen, Hautfarben… das wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.