Europas Kampf gegen Fälschungen erreicht neue Dimensionen: 112 Millionen illegale Produkte im Wert von 3,8 Milliarden Euro wurden 2024 aus dem Verkehr gezogen.
Im Jahr 2024 hat die Europäische Union eine umfassende Bilanz ihrer Maßnahmen gegen Produktfälschungen vorgelegt. Insgesamt wurden 112 Millionen gefälschte Artikel mit einem geschätzten Marktwert von 3,8 Milliarden Euro konfisziert. Wie aus einer gemeinsamen Mitteilung der EU-Kommission und des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) hervorgeht, liegt die Anzahl der sichergestellten Waren zwar unter dem Niveau des Vorjahres, markiert jedoch den zweithöchsten Wert seit Beginn der Erfassung. Der Gesamtwert der beschlagnahmten Fälschungen erreichte sogar einen neuen Höchststand.
Die Bekämpfung des Fälschungshandels konzentrierte sich vor allem auf sieben Mitgliedstaaten: Italien, Spanien, Frankreich, die Niederlande, Portugal, Rumänien und Polen zeichneten gemeinsam für neun von zehn Sicherstellungen verantwortlich. Bei der Betrachtung des Warenwertes dominierten Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Griechenland und die Niederlande, die zusammen 90 Prozent des verhinderten wirtschaftlichen Schadens ausmachten.
Rekordwerte an Grenzen
Besonders bemerkenswert: An den EU-Außengrenzen wurden 20 Millionen Fälschungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro abgefangen – der höchste Wert der letzten Dekade. Auffällig ist dabei die Verschiebung im Produktspektrum: Statt billiger Massenartikel tauchen vermehrt hochpreisige Fälschungen auf, die den Gesamtwert deutlich steigern.
Das Spektrum reicht mittlerweile von Bekleidung und Spielwaren über Parfüms und Kosmetika bis hin zu E-Zigaretten und Videospielen. Selbst Retro-Gaming und Software-Piraterie verzeichnen aktuell einen signifikanten Anstieg.
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Neue Herkunftsländer
Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Herkunftsländern: Während China und die Türkei weiterhin als typische Ursprungsländer gelten, haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate neu unter die drei wichtigsten Herkunftsregionen eingereiht. Trotz der zunehmenden Bedeutung des Online-Handels bleibt der maritime Transportweg die bevorzugte Route für Fälscher.
Die EU-Kommission betont, dass Produktfälschungen nicht nur wirtschaftliche Schäden und Wettbewerbsverzerrungen verursachen, sondern auch konkrete Risiken für Gesundheit und Sicherheit der europäischen Bürger darstellen.
Angesichts steigender Handelsvolumina, geopolitischer Spannungen und globaler Krisen fordert Brüssel eine umfassende Reform des Zollwesens.