35 Jahre Freundschaft, ein Spanngurt und ein Rollstuhl – in Wien-Floridsdorf eskalierte ein Streit auf eine Weise, die niemand erwartet hätte.
Eine 35 Jahre währende Freundschaft hat ein jähes Ende gefunden – und zwar vor einem Wiener Strafgericht. Der Anlass: ein Streit, der am 27. Mai in einem Gemeindebau in Wien-Floridsdorf so weit eskalierte, dass sich ein 46-jähriger Maler und Anstreicher wegen Nötigung verantworten musste. Der Mann hatte einen Gummispanngurt zur Hand genommen und damit seinen 47-jährigen Freund, der seit seiner Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen ist, im Innenhof der Wohnhausanlage aufgesucht.
Was dort folgte, war ungewöhnlich. Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ schilderte das Opfer vor Gericht: „Er hat mich dann einfach zu einem Mistkübel geschoben. Das geht ja relativ leicht.“ Der Angeklagte befestigte daraufhin ein Ende des Spanngurts am Rollstuhlreifen, das andere am Mistkübel – und machte den Mann damit bewegungsunfähig.
Streit ums Geld
Vor der Richterin beteuerte der 46-Jährige laut „Kronen Zeitung“: „Wir sind seit 35 Jahren befreundet. Ich wollte ihm nichts Böses.“ Von dieser einstigen Verbundenheit war im Gerichtssaal freilich nichts mehr zu spüren – die beiden Männer schenkten einander keinen einzigen Blick. Ausgangspunkt des Konflikts war Geld.
Den Hergang schilderte der Angeklagte so: „Er hat mich angerufen und gesagt, ich soll runterkommen und er haut mich. Was hätte ich denn machen sollen. Ich kann ja keinen Behinderten hauen. Ich war so grantig.“ Auf die Frage der Richterin, ob er seinen Freund habe sekkieren wollen, antwortete der 46-Jährige laut der Tageszeitung ohne Umschweife: „Ja, sicher.“
Allzu lange habe er ihn jedoch nicht in dieser Lage gelassen – nach eigenen Angaben entfernte er den Spanngurt bereits nach rund fünf Minuten wieder. „Ich hätte ihn da ja nicht angebunden stehen lassen“, versicherte er vor Gericht.
Letzte Chance
Das Gericht verurteilte den 46-Jährigen wegen Nötigung zu fünf Monaten bedingter Haft – es war bereits seine 14. Verurteilung. Angesichts dieser Vorgeschichte richtete die Staatsanwältin laut „Kronen Zeitung“ unmissverständliche Worte an den Angeklagten: „Mit der Vorstrafenbelastung ist das die letzte bedingte Strafnachsicht. Das ist der letzte Schuss vorm Bug.“
Nach dem Prozess kündigte der 46-Jährige an, seinem früheren Freund künftig aus dem Weg zu gehen.