In einem Dorf in Bosnien wächst eine Chili, die 20.000 Dollar pro Kilo kostet. Die Geschichte einer Frau, die trotz Schwierigkeiten weitermacht.
In einem kleinen Dorf im Norden von Bosnien und Herzegowina gedeihen Pflanzen, die man dort nicht vermuten würde: seltene Gemüse- und Gewürzkräutersorten aus aller Welt, exotische Obstsorten – und eine Chili, die zu den teuersten der Welt zählt. Vesna Bosnjak aus Usora sieht sich selbst in erster Linie als Sammlerin, und erst in zweiter Linie als Landwirtin. Auf ihrem Hof hat sie im Laufe der Jahre eine bemerkenswerte Vielfalt an seltenen Kulturpflanzen zusammengetragen.
Teuerste Paprika weltweit
Das wohl außergewöhnlichste Exemplar in ihrer Sammlung ist die Aji Charapita – eine peruanische Wildchilisorte mit kleinen gelben Früchten, die auf dem Weltmarkt Preise erzielt, die kaum zu glauben sind. „Gerade entferne ich die Blütenkelche von der teuersten Chili der Welt“, erzählt Vesna Bosnjak gegenüber BHT. „Diese hier hat schon angesetzt.“
Auf dem amerikanischen Markt kostet ein Kilogramm der getrockneten Sorte rund 20.000 Dollar. Verwendet wird sie dort fast ausschließlich als dekoratives Element in Spitzenrestaurants – essbar ist sie zwar, doch ihr wahrer Wert liegt offenbar im Prestige. „Leider habe ich keinen Markt dafür zu diesem Preis, was mir sehr leid tut – sonst würde ich weder Himbeeren noch Heidelbeeren anbauen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Neben der Aji Charapita beherbergen ihre Gewächshäuser eine Fülle weiterer Raritäten: Tomatensorten, die in Bosnien und Herzegowina kaum jemand kennt, marokkanische Minze, Bärentatze, riesige Ochsenherzfrüchte und eine Sorte mit dem poetischen Namen „Großmutters Geheimnis“. Wie viele verschiedene Kulturen sie insgesamt anbaut, kann Vesna selbst nicht mehr genau sagen. „Bei Chili sind es 70 bis 80 Sorten, bei Tomaten sicher mehr als 230 – ich zähle sie schon gar nicht mehr. Von Gewürzkräutern über Gemüse bis zu Obst: Ich habe gerne von allem etwas“, erklärt sie.
Kaum Unterstützung
Alles, was auf ihrem Hof wächst, verarbeitet Vesna auch selbst. Ihr Betrieb liegt in Omanjska bei Usora – einer Gegend, aus der viele junge Menschen längst weggezogen sind, auf der Suche nach Arbeit im Ausland. Genau dieser Mangel an Arbeitskräften setzt der Landwirtin klare Grenzen. „Früher waren vier Dunum unter Himbeeren, aber da es keine Arbeitskräfte gibt, mache ich nur so viel, wie ich selbst schaffe: zwei Gewächshäuser, ein Dunum Himbeeren, hundert Heidelbeersträucher und diese Kleinigkeiten an Sträuchern – das war’s“, sagt sie nüchtern.
Produziert wird vorwiegend für den Eigenbedarf der Familie, ein Teil der Erzeugnisse gelangt über Direktverkauf ab Hof, auf Landwirtschaftsmessen und über soziale Netzwerke zu den Kunden. Doch Vesna macht keinen Hehl daraus, dass die Rahmenbedingungen für Produzenten wie sie alles andere als rosig sind. „Der Bauer hat keinerlei Unterstützung – weder wir Kleinen noch die Großen, sehr wenig.“
Besonders bitter: Im Zeitraum 2024/2025 wurden ihr zwei Gewächshäuser zerstört. Die Gemeinde rief nicht einmal den Katastrophenfall aus. „Niemand hat gefragt, ob man irgendeine Art von Hilfe braucht – was soll ich da noch mehr sagen“, so Bosnjak.
In ihren Gewächshäusern und im Freiland reift bereits die nächste Ernte heran – Standard- und Raritätensorten gleichermaßen, die wie in den Jahren zuvor verarbeitet und verkauft werden.