Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Hochhausprojekt

Bosnischer Milliardär plant 120-Meter-Turm trotz Bürgerprotesten

Bosnischer Milliardär plant 120-Meter-Turm trotz Bürgerprotesten
FOTO: Bureau Cube Partners
3 Min. Lesezeit |

Ein Hochhaus, Bürgerproteste und ein neuer Investor mit politischen Verbindungen – in Belgrad spitzt sich ein Konflikt zu.

In Belgrads Stadtteil Bežanijska kosa soll ein 120 Meter hoher Wohn- und Geschäftsturm entstehen – und zwar im Bereich zwischen der Autobahn und der Partizanska avijacija-Straße. Das Projekt trägt den Namen „Mind Tower“ und war bereits Ende 2023 als Konzeptprojekt angekündigt worden. Im Mai dieses Jahres wurde der Antrag auf Erteilung der Standortbedingungen eingereicht – allerdings von einem neuen Investor: dem Unternehmen Balkan Asset Management. Wie das Portal Nova.rs berichtet, steht dahinter der Geschäftsmann Mladen Milanovic Kaja, einer der vermögendsten Unternehmer Bosnien-Herzegowinas.

Für die Anrainer ist der Investorenwechsel kein Grund zur Entwarnung. Bereits unter dem früheren Projektträger, der Firma Tempo Company, hatte es Proteste gegeben. Die Bewohner sehen in dem betroffenen Areal eine grüne Oase mit nachgewiesener Artenvielfalt – 67 Vogelarten wurden dort dokumentiert – und pochen darauf, dass das Gelände für Sportanlagen genutzt werden sollte, nicht für einen 35-stöckigen Hochhauskomplex.

Anhaltender Widerstand

Doch trotz jahrelangen Widerstands aus der Bevölkerung läuft das Genehmigungsverfahren weiter. Der problematische Detailregulierungsplan, den das provisorische Organ bereits Ende 2023 beschlossen hatte, bleibt unverändert in Kraft. „Im Grunde lassen sie nicht vom Bau ab – jetzt ist lediglich ein anderes Unternehmen im Spiel, das den Antrag im Mai eingereicht hat, und das Verfahren zur Erteilung der Standortbedingungen läuft“, sagt Sanja Solarevic, unabhängige Gemeinderätin.

Zu den inhaltlichen Einwänden kommt ein handfestes infrastrukturelles Problem hinzu: In unmittelbarer Nähe des geplanten Komplexes soll ein Eisenbahntunnel erweitert werden. Solarevic sieht darin gleich mehrere Risiken. „Abgesehen davon, dass die geplanten Objekte zu nahe am bestehenden Tunnelkorridor liegen und damit das Eisenbahngesetz verletzen, ist die Situation für die Bevölkerung schlicht nicht sicher“, erklärt sie. Ein Teil der Projektparzelle grenze direkt an diesen Tunnel – und angesichts der geringen Tragfähigkeit des Bodens sei es nicht vertretbar, dort ein Bauwerk dieser Größenordnung zu errichten.

Investor im Hintergrund

Hinter dem neuen Investor Balkan Asset Management steht laut Nova.rs die Firma Balkan Gradnja, in der Datenbank der wirtschaftlichen Eigentümer scheint Mladen Milanovic Kaja als Hintermann auf. In der Region ist er vor allem als Kopf der Unternehmensgruppe MG Mind bekannt, die unter anderem im Handel mit Haushaltsgeräten tätig ist. Regionale Medien zählen ihn zu den reichsten Persönlichkeiten Bosnien-Herzegowinas und bringen ihn wiederholt mit SNSD-Chef Milorad Dodik in Verbindung. Seit 2024 verzeichnen seine Unternehmen in Bosnien-Herzegowina deutliches Wachstum; 2025 weitete er seine Geschäftstätigkeit auf Slowenien aus – und nun auch auf Serbien.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen