Biontech streicht massiv Stellen – und trifft damit eine ganze Region ins Mark. Marburg steht vor einem wirtschaftlichen Einschnitt historischen Ausmaßes.
Der Mainzer Pharmahersteller Biontech baut weltweit mehr als jeden fünften Arbeitsplatz ab. Die geplante Schließung der Produktionsstätten in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen trifft vor allem die hessische Universitätsstadt Marburg besonders hart und bedeutet zugleich das Ende der einzigen mRNA-Großproduktion auf deutschem Boden.
Von den derzeit weltweit rund 8.400 Beschäftigten des Konzerns sollen bis zu 1.860 Stellen wegfallen. Zu den betroffenen Standorten zählt das Marburger Werk, wo die Plasmid-DNA-Anlage geschlossen wird und rund 540 Beschäftigte betroffen sind, sowie der Standort Idar-Oberstein mit 440 betroffenen Arbeitsplätzen und der frühere CureVac-Standort in Tübingen, an dem 820 Stellen gestrichen werden. Die Schließungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Krise in Marburg
Der Stellenabbau fällt in eine Zeit deutlich gesunkener Nachfrage nach Corona-Impfstoffen. Mit der Schließung verliert Deutschland seine bislang einzige Produktionsstätte für mRNA-Wirkstoffe im industriellen Maßstab.
Für Marburg bedeutet die Entscheidung des Pharmaunternehmens eine ernste wirtschaftliche Belastung. Die Werksschließung fügt sich in eine breitere Krise der Branche ein, die durch Stellenkürzungen bei den Unternehmen CSL und Innexis zusätzlich verschärft wird. In der Summe sind mehr als 1.300 Arbeitsplätze am Standort gefährdet.
Gescheiterte Rettung
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatte sich vergeblich dafür eingesetzt, das Werk zu verkaufen anstatt es vollständig zu schließen. Auch der Pharmahersteller Moderna, der zeitweise als möglicher Käufer gehandelt wurde, entschied sich letztlich gegen eine Übernahme.
Biontech selbst rechnet durch den Stellenabbau ab dem Jahr 2029 mit jährlichen Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro, die nach Unternehmensangaben in die Krebsforschung fließen sollen.