Für 190.000 Metaller steigen die Löhne – ganz ohne neue Verhandlungen. Der Grund liegt in einem ungewöhnlichen Abkommen.
Ab November 2026 erhalten rund 190.000 Beschäftigte der österreichischen Metallindustrie automatische Lohnerhöhungen – ohne neuerliche Verhandlungen, denn die Grundlage dafür wurde bereits im Vorjahr geschaffen.
Konkret tritt am 1. November 2026 die zweite Stufe des sogenannten „Krisenabschlusses“ in Kraft, auf den sich die beteiligten Sozialpartner 2025 geeinigt hatten. Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen dabei um 1,9 Prozent, die kollektivvertraglichen Mindestentgelte um 2,1 Prozent. Besonders deutlich fällt die Anhebung bei den Nachtarbeitszulagen aus: Sie steigen um 7,01 Prozent auf 3,754 Euro pro Stunde.
Hinter dem Krisenabschluss
Die zweijährige Vereinbarung, die die üblichen Herbstlohnrunden für diesen Zeitraum ersetzt, war eine direkte Reaktion auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche. Hohe Energiekosten und ein schwacher Auftragseingang hatten die heimische Metallindustrie unter erheblichen Druck gesetzt und zum Abbau von mehr als 20.000 Arbeitsplätzen geführt. Gewerkschaften und Arbeitgeber suchten gemeinsam nach einem Weg, der beiden Seiten Planungssicherheit verschafft.
PRO-GE-Vorsitzender Reinhold Binder bezeichnete das Ergebnis als „Brücke“, die Beschäftigung sichere und gleichzeitig Lohnzuwächse ermögliche. GPA-Bundesgeschäftsführer Mario Ferrari hob den Beitrag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Wettbewerbsfähigkeit der Branche hervor und machte zugleich deutlich, dass derartige Krisenabschlüsse kein dauerhaftes Modell der Lohnfindung sein können.
Auch der Fachverband Metalltechnische Industrie bewertet die frühzeitige Festlegung positiv, da sie Unternehmen wie Beschäftigten gleichermaßen Stabilität in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld biete.