Eine verletzte Kommunalpolitikerin, ein Bürgermeister auf der Polizeiwache und heftige politische Reaktionen: Ein Vorfall in Belgrad sorgt für Aufsehen.
Belgrads Bürgermeister Aleksandar Šapić steht nach einem körperlichen Zwischenfall auf Novi Beograd in der Kritik. Tanja Mićić, Abgeordnete der Bewegung Kreni-Promeni im Belgrader Stadtparlament, wirft ihm vor, sie während eines Streits ins Gesicht geschlagen zu haben. Šapić bestreitet diese Darstellung.
Nach Angaben von Kreni-Promeni wurden bei einer medizinischen Untersuchung Mićićs ein Bruch des linken Nasenbeins sowie eines Teils des Oberkiefers festgestellt. Šapić bestreitet jedoch, die Politikerin geschlagen zu haben. Gegenüber Insajder erklärte er: „Die Frau habe ich nicht geschlagen, sondern weggestoßen, um mich vor ihrem Mann zu verteidigen.“ Nach dem Vorfall wurde Šapić von der Polizei zu einer Wache auf Novi Beograd gebracht und später wieder entlassen. Eine offizielle Darstellung des serbischen Innenministeriums zum Ablauf lag zunächst nicht vor.
Politische Reaktionen
Die Affäre löste rasch politische Reaktionen aus. Savo Manojlović, Vorsitzender der Bewegung Kreni-Promeni, kündigte eine Kundgebung vor der Dritten Grundstaatsanwaltschaft in Belgrad an. Auch SNS-Spitzenkandidat Aleksandar Vučić kritisierte Šapić dafür, sich auf die Auseinandersetzung eingelassen zu haben. Als öffentlicher Funktionär hätte er sich zurückziehen müssen, erklärte Vučić. Gleichzeitig bezeichnete er die Situation als Provokation und betonte, dass die strafrechtliche Klärung den zuständigen Behörden obliege.
Mehrere Oppositionsparteien forderten nach dem Vorfall Šapićs Rücktritt als Bürgermeister. Die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (SSP) bezeichnete den Fall als Ausdruck des politischen Systems unter Vučić und verlangte Konsequenzen. Auch Aleksandar Stevanović vom Ökologischen Aufstand forderte Šapić zum Rücktritt auf und kritisierte dessen Verhalten als eines Bürgermeisters unwürdig.
Brisanter Zeitpunkt
Der Vorfall ereignet sich mitten im serbischen Wahlkampf. Am 25. Oktober 2026 findet eine vorgezogene Parlamentswahl statt; serbische Wahlberechtigte im Ausland können sich noch bis zum 3. Oktober um Mitternacht für die Stimmabgabe im Ausland registrieren. Šapić gehört der SNS an, deren Liste von Aleksandar Vučić angeführt wird.