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Kriegsverbrechen

20.179 tote Kinder: UN erhebt schwerste Vorwürfe gegen Israel

20.179 tote Kinder: UN erhebt schwerste Vorwürfe gegen Israel
Foto: epa/HAITHAM IMAD
4 Min. Lesezeit |

20.179 getötete Kinder in zwei Jahren: Eine unabhängige UN-Untersuchungskommission erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel. Die israelische Vertretung in Genf weist den Bericht scharf zurück.

Israels Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf wies die Vorwürfe in aller Schärfe zurück. Der vorliegende Bericht sei ein weiterer „diffamierender Propaganda-Bericht“ und eine „verleumderische Farce“. Die Darstellung, Israel nehme Kinder absichtlich ins Visier, wies die Vertretung „mit größter Entschiedenheit“ zurück.

In einer offiziellen Erwiderung hieß es, Israel sei „stets bestrebt, den Schaden für Kinder selbst in Konfliktsituationen zu minimieren“. Der UN-Bericht blende die „brutalen Taktiken der Hamas“ vollständig aus. Darüber hinaus finde die Rolle Israels bei der Ermöglichung von Impfkampagnen, der Einreise medizinischen Personals sowie der Einrichtung von Feldlazaretten keinerlei Erwähnung. Israel wirft der Hamas vor, systematisch humanitäre Hilfe und für Krankenhäuser bestimmten Treibstoff umzuleiten – Vorwürfe, die die Hamas zurückweist.

Bericht der UN-Kommission

Grundlage der Kontroverse ist ein Bericht der „Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission für das besetzte palästinensische Gebiet, einschließlich Ost-Jerusalem, und Israel“, der sich mit Verstößen gegen palästinensische Kinder seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober 2023 befasst. Den Untersuchungsergebnissen zufolge wurden palästinensische Kinder im Verlauf des Krieges bewusst getötet – auch noch nach Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober 2025. Dies stelle ein zentrales Element dar, das die völkermörderische Absicht der israelischen Behörden und Sicherheitskräfte belege, die palästinensische Bevölkerung ganz oder teilweise zu vernichten.

„Die Beweise zeigen, dass palästinensische Kinder von den israelischen Sicherheitskräften gezielt ins Visier genommen und getötet wurden“, erklärte Kommissionsvorsitzender Srinivasan Muralidhar. Laut Bericht kamen zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 7. Oktober 2025 im Gazastreifen mindestens 20.179 Kinder ums Leben. Das entspreche rund 30 Prozent aller Todesopfer und liege damit deutlich über dem Anteil, der in früheren Konflikten verzeichnet worden sei. In den Gazakriegen 2008/09 sowie 2014 hätten Kinder jeweils etwa 24 Prozent der konfliktbedingten Todesfälle ausgemacht.

Die israelischen Streitkräfte hätten trotz der stetig steigenden Opferzahlen unter Kindern weiterhin Munition mit großer Sprengkraft sowie Waffen mit Flächenwirkung in dicht besiedelten Wohngebieten eingesetzt. „Dies deutet darauf hin, dass solche Angriffe, bei denen Kinder in so hoher Zahl getötet wurden, beabsichtigt waren“, hält die Kommission fest. Sie geht davon aus, dass Kinder kollektiv ins Visier genommen wurden, weil die israelischen Sicherheitskräfte die Zivilbevölkerung als Ganzes mit der Hamas und anderen bewaffneten Gruppen in Verbindung brächten.

Muralidhar erklärte, Israel untergrabe durch das Angreifen von Kindern die Fähigkeit des palästinensischen Volkes, zu existieren und seine Zukunft zu bestimmen. Der Bericht hält überdies fest, dass die von Israel im Gazastreifen geschaffenen Bedingungen – darunter weitreichende Angriffe, wiederholte Vertreibungen sowie Hunger infolge der Blockade von Hilfslieferungen, Nahrungsmitteln und Medikamenten – die Gesundheit und Entwicklung von Kindern schwer schädigten und zu vermeidbaren Todesfällen sowie Traumata führten. Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen beeinträchtigten das Überleben von Neugeborenen, die Zahl der Fehlgeburten nehme zu. Nahezu alle Kinder im Gazastreifen benötigten psychologische Unterstützung.

Westjordanland-Befunde

Im Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem, dokumentierte die Kommission eine deutliche Zunahme der Gewalt durch israelische Siedler gegen palästinensische Kinder. Zudem wurden Belege für Folter erfasst, darunter sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt im Zuge von Massenverhaftungen und Inhaftierungen. Insbesondere palästinensische Buben seien in Haft systematischer Misshandlung ausgesetzt. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass dies die Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Folter und anderer unmenschlicher Handlungen darstelle. In der israelischen Erwiderung heißt es dazu, der Bericht lasse den Kontext der „ständigen terroristischen Bedrohung“ außer Acht, auf die die israelischen Sicherheitskräfte reagierten.

Bereits in einem früheren Bericht vom September hatte die Kommission Israel Völkermord im Gazastreifen vorgeworfen und erklärt, Regierungsmitglieder sowie Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hätten zu diesen Taten angestiftet. Israel hatte diese Anschuldigungen seinerzeit als „skandalös“ zurückgewiesen.

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KO KOSMO-Redaktion
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