Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Scharfe Kritik

22 Volksschulen ohne Lehrer – Grüne sprechen von „Versagen

22 Volksschulen ohne Lehrer – Grüne sprechen von „Versagen
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Während Schüler ihre Schultaschen packen, entbrennt in Wien ein politischer Streit: Die Grünen überreichen der Bildungsstadträtin eine Schultüte – gefüllt mit scharfer Kritik.

Zum Schulbeginn in Wien verschärft sich die Kritik am Bildungssystem. Die Grünen Wien prangern ein „rot-pinkes Bildungsversagen“ an und verweisen auf alarmierende Zahlen, die eine zunehmende Problemlage an Wiener Schulen belegen. Noch zwei Wochen vor Schulstart waren 240 Stellen an Pflichtschulen unbesetzt. Durch parlamentarische Anfragen an die Stadtregierung haben die Grünen weitere Missstände aufgedeckt, die auf eine anhaltende Anspannung im Wiener Schulwesen hindeuten.

Besonders besorgniserregend ist die Situation an 22 Volksschulen, denen nach wie vor klassenführende Lehrkräfte fehlen. Der Bildungssprecher der Grünen Wien, Felix Stadler, kritisiert in diesem Zusammenhang die zeitlich begrenzten Bewerbungsmöglichkeiten bei der Bildungsdirektion: „Es ist noch immer nicht möglich, sich ganzjährig zu bewerben. Mitte August war das Bewerbungsfenster von der Bildungsdirektion geschlossen.“

⇢ Chaos vor Schulstart: In 22 Wiener Klassen fehlt noch der Lehrer

Die Wiener Bildungsdirektion bestätigt diese Kritik indirekt: Das Bewerbungsfenster für neue Lehrkräfte war lediglich vom 11. bis 16. August geöffnet – eine ganzjährige Bewerbungsmöglichkeit, wie sie bereits 2022 von Bildungsminister Wiederkehr angekündigt wurde, ist bislang nicht umgesetzt worden.

Stadler macht zudem auf ein weiteres strukturelles Problem aufmerksam: An 37 Pflichtschulstandorten gibt es derzeit nur provisorische Schulleitungen. Aus eigener Erfahrung berichtet er, dass auch die Mittelschule, an der er unterrichtet, im vergangenen Schuljahr ohne feste Direktion auskommen musste. Die Bewerberlage für Führungspositionen sei äußerst dünn: Bei der Hälfte der 22 Schulen, die im Vorjahr eine neue Leitung erhielten, gab es entweder gar keine oder lediglich eine einzige Bewerbung für die vakanten Direktionsposten.

Mangelnde Sozialarbeit

Auch bei der Schulsozialarbeit zeigen sich erhebliche Defizite. Von den insgesamt 446 Pflichtschulen in Wien verfügen nur 122 über Sozialarbeiter, während 324 Schulen – also rund drei Viertel aller Wiener Pflichtschulen – ohne diese wichtige Unterstützung auskommen müssen. Die Grünen richten ihre Kritik direkt an Christoph Wiederkehr, der als Wiener Bildungsstadtrat eine Aufstockung auf 95 Schulsozialarbeiter versprochen hatte. Tatsächlich gibt es bislang jedoch nur 53 Vollzeitstellen.

Grüne Reformvorschläge

Die Grünen fordern eine grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich. Symbolisch überreichten sie der NEOS-Bildungsstadträtin Bettina Emmerling bei einer Pressekonferenz zum Schulstart eine Schultüte mit Reformvorschlägen. Dazu zählen höhere Gehälter und bessere Entlohnung für Zusatzaufgaben an Schulen mit besonderen Herausforderungen. Weitere Forderungen umfassen verbesserte Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten für Lehrkräfte, mehr Unterstützungspersonal sowie einen Abbau von Bürokratie und administrativen Aufgaben – auch für Schulleitungspositionen.

„Die pinke Performance der letzten Jahre hat die Lage weiter verschärft: Anstatt sich bundesweit um die notwendigen Verbesserungen zu kümmern, zerkracht sich Bildungsminister Wiederkehr mit der Lehrer:innengewerkschaft – und Wien leidet unterdessen an einer handfesten Bildungskrise“, kritisiert Judith Puhringer, Vorsitzende der Wiener Grünen.

Sie sieht darin eine Beeinträchtigung der Bildungs- und Lebenschancen für Kinder und fordert die Stadtregierung auf, alles dafür zu tun, dass „die Schule ums Eck die beste für alle wird“.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen