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BOSNIEN UND HERZEGOWINA WIRD VERLASSEN

300.000 Einwohner weniger: Jeder Zweite wanderte aus Bosnien aus  

Kosmo-BiH-Reise
(FOTO: iStock/LightFieldStudios)

Bosnien und Herzegowina werden in diesem Jahr schätzungsweise 300.000 Menschen verlassen.

Nachdem Deutschland ab September dieses Jahres die Möglichkeit angekündigt hat, neue Erleichterungen für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen sowie ein neues „modernes Einwanderungsgesetz“ einzuführen, sehen zahlreiche Bürger in Bosnien und Herzegowina darin eine neue Möglichkeit, das Land zu verlassen.

Gewerkschafter in Bosnien und Herzegowina beschuldigen Arbeitgeber, die den Arbeitnehmern den Mindestlohn zahlen, sowie eine Regierung, die nichts unternimmt, um die Situation zu ändern.

Das Durchschnittsgehalt liegt irgendwo zwischen ca. 550 Euro und ca. 576 Euro. Über 70% der Arbeitnehmer leben und arbeiten für ein Gehalt von bis zu ca. 340 Euro, und wenn man davon ausgeht, dass der Lebenshaltungsdurchschnitt über 1.387 Euro liegt, dann ist es einfach klar, dass vier Gehälter notwendig sind, um eine vierköpfige Familie zu ernähren, so der Vorsitzende der Unabhängigen Union der Gewerkschaften (SSS) von Bosnien und Herzegowina, Selvedin Satorovic.

In diesem Zusammenhang zitiert er als besonders beschämend eine jüngste Entscheidung, das Gehalt von ca. 262 Euro für die Abgeordnete im Parlament von Bosnien und Herzegowina zu erhöhen, was für alle ein Stich ins Herz ist. Die Entscheidung kommt von der gierigen Regierung, die ihre Gehälter erhöht, anstatt in Betracht zu ziehen, die Verbrauchsteuer auf Kraftstoff abzuschaffen oder andere Erleichterungen für die Bürgern zu schaffen, damit sie überleben.

Etwa 170.000 Menschen verließen Bosnien und Herzegowina im vergangenen Jahr, Schätzungen zufolge werden dies laut Satorovic in diesem Jahr doppelt so viele tun.

Arbeitgeber in der Serbischen Republik hingegen sehen in Deutschlands neuen Erleichterungen für die Aufnahme neuer Arbeitskräfte nicht etwas, was den Arbeitskräftemangel weiter verschärfen würde, da sie sich bereits im vergangenen Jahr an die Situation wegen der Pandemie gewöhnt haben.