Trump verschärft den Handelskurs: Ab August müssen Serbien und Bosnien-Herzegowina mit neuen Zöllen rechnen. Experten sehen jedoch kaum wirtschaftliche Folgen.
US-Präsident Donald Trump hat neue Einfuhrzölle für Bosnien und Herzegowina sowie Serbien angekündigt. In Schreiben an die Vorsitzende des bosnischen Präsidiums, Zeljka Cvijanovic, und den serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic kündigte Trump Zollsätze von 30 Prozent für Bosnien und Herzegowina und 35 Prozent für Serbien an. Die entsprechenden Briefe veröffentlichte der US-Präsident auf seinem eigenen sozialen Netzwerk Truth Social.
Die Zölle sollen ab 1. August in Kraft treten. Bereits Anfang April waren höhere US-Zölle angekündigt, dann aber vorübergehend ausgesetzt worden, während Verhandlungen mit verschiedenen Staaten liefen. Ursprünglich war der 9. Juli als Starttermin für diese „Strafzölle für Länder, die vom Handel mit den USA profitieren“ vorgesehen.
Trump erklärte jedoch am Freitag, dass die betroffenen Länder nun ab 1. August zahlen werden. Ausgenommen von den Zöllen bleiben jene Staaten, die in den kommenden Tagen noch Abkommen mit den Vereinigten Staaten abschließen.
Die jetzt festgelegten Zollsätze fallen niedriger aus als die ursprünglich im April angekündigten Vergeltungszölle, die für Serbien bei 37 Prozent und für Bosnien und Herzegowina bei 35 Prozent gelegen hätten. Der US-Präsident stellte zudem klar, dass keine Zölle erhoben werden, wenn das betreffende Land oder Unternehmen aus diesem Land die Produktion in die USA verlagert.
Gleichzeitig drohte Trump mit noch höheren Zöllen, sollten die betroffenen Länder ihrerseits mit höheren Zollsätzen auf US-Importe reagieren. Andere Balkanstaaten wie Albanien, Montenegro und Kosovo finden in Trumps jüngsten Äußerungen keine Erwähnung. Für diese drei Länder hatte Trump zuvor einen Zollsatz von zehn Prozent in Aussicht gestellt, für Nordmazedonien 33 Prozent.
Die aktuellen Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Zollinitiative, die insgesamt 14 Länder weltweit betrifft. Die Zollsätze variieren dabei je nach Land zwischen 25 und 40 Prozent. Serbien und Bosnien-Herzegowina sind die ersten europäischen Staaten, die von den neuen US-Strafzöllen betroffen sind, obwohl sie keine EU-Mitgliedstaaten sind.
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Geringe Auswirkungen
Wirtschaftsexperte Ljubo Jurcic gibt jedoch Entwarnung: Weder Serbien noch Bosnien und Herzegowina verfügen über nennenswerte Exportvolumen in die Vereinigten Staaten, weshalb Trumps Zölle die Region nicht übermäßig belasten dürften. „Ich denke, die Maßnahmen sind nicht so schädlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Beide Länder exportieren generell wenig in die USA.“
Amerika wird weiterhin das importieren, was es aus diesen Ländern beziehen möchte – unabhängig vom Preis. Die Maßnahme wirkt eher negativ und unschön und folgt mehr einer politischen Einteilung der Länder als wirtschaftlichen Parametern. Meiner Einschätzung nach besteht kein Grund zur Besorgnis„, erklärt Jurcic.
Der Wirtschaftsexperte weist zudem auf einfache Möglichkeiten hin, die Zollbelastungen abzufedern: „Ein Teil der Zölle kann vom amerikanischen Importeur getragen werden, und auch für bosnische und serbische Exporteure besteht Spielraum, einen Teil selbst zu übernehmen. Die in die USA exportierten Waren sind nicht besonders preisempfindlich.“
Politische Dimension
Wichtig sei laut Jurcic zu verstehen, dass die gesamte Region, einschließlich der von der neuen Zollpolitik betroffenen Länder Bosnien und Herzegowina sowie Serbien, für die USA wirtschaftlich und handelspolitisch kaum ins Gewicht fällt. „Eigentlich hat das gesamte Gebiet des ehemaligen Jugoslawien für Amerika wirtschaftlich keine große Bedeutung.“
Es geht hier eher um Einzelinteressen auf amerikanischer Seite als um wirtschaftliche Interessen der USA als Staat. Amerika verfolgt in dieser Region in erster Linie politische Interessen im Kontext der geopolitischen Beziehungen zwischen Ost und West.
Die Einführung von Zöllen müsse nicht zwangsläufig negativ sein, führt Jurcic weiter aus. Sie könne Politikern und Wirtschaftsexperten sogar die Chance bieten, neue wirtschaftliche, handelspolitische und politische Beziehungen zu knüpfen.
„Es eröffnet Spielräume für unsere Politiker und Wirtschaftsministerien. Da die USA nicht empfindlich auf Exporte aus unseren Ländern – Bosnien und Herzegowina, Serbien und auch Kroatien – reagieren, können wir das zu unserem Vorteil nutzen.“
Die US-Regierung betont unterdessen, dass die angekündigten Zölle nur dann tatsächlich erhoben werden, wenn bis zum 1. August keine bilateralen Abkommen mit den betroffenen Ländern geschlossen werden. Diese Formulierung wird von Beobachtern als Verhandlungstaktik gewertet, um Druck auf die betroffenen Staaten auszuüben und sie zu Zugeständnissen zu bewegen.